"Ohne Yoga geht nichts." Ein Gastbeitrag von Stefanie Fischer.


Kraft und Stärke: Steffi in der 40. Schwangerschaftswoche. Hut ab!
Kraft und Stärke: Steffi in der 40. Schwangerschaftswoche. Hut ab!

Im Oktober 2014 wurde ich schwanger. Damals war ich Assistentin in einer Ashtanga Yoga Schule in Kapstadt und startete jeden morgen um sechs, Yoga zu lehren.

 

Die Reaktion meiner Lehrerin, als ich ihr erzählte, dass ich schwanger bin, war sehr viel entspannter als ich dachte. Sie hat selbst vier Kinder und wusste gleich, dass ich nun eine Weile ausfallen würde. Das machte mich um eine erste Erfahrung reicher: Yogis, die sich mit Leib und Seele der Philosophie von Yoga widmen und das auch verinnerlichen, reagieren eben besonnener.

 

Lehrerinnen wie Ulrike Lamprecht (ashtangayogacapetown.com) lehren Yoga nicht einfach nur auf der Matte, sondern leben danach. Andere Lebensweisen oder sich verändernde Lebensumstände, wie eben meine Schwangerschaft, werden nicht be- oder verurteilt. Sie werden angenommen. 

 

Nun war ich also schwanger und das bedeutete für mich in erster Linie, dass ich meine Yogapraxis verändern musste. Vor der Schwangerschaft war meine morgendliche Praxis geprägt von Stärke und Kraft. Ich trainierte täglich eineinhalb Stunden und war danach immer sehr zufrieden. Jetzt musste ich viele Übungen vermeiden. Musste mich selbst bremsen. Das war sehr hart für mich, weil ich meine Yoga-Praxis immer als eine Art Geländer empfand: es gab mir Halt und begleitete mich den ganzen Tag. Ich konnte mich daran festhalten.

 

Aber nach Patthabi K. Jois (der Gruender des Ashtanga Yoga) ist eine Asana Praxis in den ersten 3 Monaten untersagt. Das war ein Schlag ins Gesicht und schlichtweg unmöglich für mich. Also reduzierte ich auf ein Minimum, was auch wiederum eine Form des Yoga ist. Bis zur 36. Schwangerschaftswoche praktizierte ich täglich und besuchte sogar noch einen Workshop bei David Garrigues. Es fiel mir irre schwer zurückzuschalten.

 

Dann kam die Geburt meines ersten Sohnes. Ich würde schon sagen, dass mich Yoga und die erlernte Atmung gut auf den Geburtsprozess vorbereitet hat. Aber die Zeit danach hat mich umgehauen.

 

Wieder musste ich akzeptieren, dass ich einfach nicht so weiter praktizieren kann, wie ich das möchte und dabei wollte ich nichts mehr als auf die Matte. Als dann endlich alle Wunden verheilt waren und wir uns als Familie eingespielt hatten, war es soweit und ich konnte wieder auf meine Yogamatte.

 

Zu dieser Zeit, schlich ich mich oftmals morgens um halb sechs aus dem Haus, um praktizieren zu können. Auch wenn der Wiedereinstieg in die Yogapraxis gefühlt ein Neuanfang war: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

 

Inzwischen hat mein Sohn einen kleinen Bruder bekommen. Deshalb beschränkt sich mein Training auf zu Hause. Mutter zweier Kinder zu sein, bedeutet für mich viel Veränderung und auch Aufgabe. Eine Yogapraxis aufrechtzuerhalten, ist so schwierig wie absolut notwendig. Und trotzdem rate ich: macht euch keinen Druck. Es reicht völlig, ein paar Sonnengrüsse zu machen, wenn es mal nicht anders geht. Gewöhnt euch an zu Hause Yoga zu üben. Das ist nicht einfach, denn es gehört viel Disziplin und Selbstliebe dazu.

 

Als Mama muss man sich besonders um sich selbst kümmern, dann ist das mit der Veränderung und der neuen Rolle, dem ständigen gebraucht werden und der pausenlosen Pausenlosigkeit gar nicht mehr so schlimm.

 

Namaste. 


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