Eltern brauchen keinen Feiertag, ein bisschen Verständnis genügt

 

Im Elternbusiness bin ich noch verhältnismäßig neu. Mein Sohn wird 15 Monate alt. Darum haben mich die WhatsApp-Nachrichten zum Muttertag letzte Woche doch ein wenig gerührt. Den Brauch als solchen finde ich aber albern.

 

Erst recht, seit ich selbst Mutter bin. Denn wenn man ehrlich ist, handelt es sich seit Pille und Kondom bei den meisten von uns um Wunscheltern. Mein Mann und ich haben uns unser Kind jedenfalls von Herzen gewünscht. Wenn man so will, haben wir Jonathan also aus sehr egoistischen Motiven bekommen. Dass das Elternsein mit zahlreichen Anstrengungen und Entbehrungen verbunden ist, war uns bewusst.

 

Ich bin selbst manchmal überrascht, wie sehr ich meine Bedürfnisse hintenanstellen kann. Wenn ich nach einer durchwachten Nacht noch die Geduld aufbringe, mit Jonathan eine halbe Stunde vor dem Briefkasten zu sitzen, damit er die Klappe auf- und zuscheppern kann. Obwohl ich in dem Moment eine Million Dinge lieber täte, muss ich in mich hineinlächeln. So eifrig ist er bei der Sache, und so unendlich lieb habe ich ihn. Dafür brauche ich kein Dankeschön, keine anerkennenden Gedichte über den Mut und die Aufopferung der Mütter, wie ich sie zum Muttertag erhielt. Denn tatsächlich hat mich noch nie etwas so erfüllt, wie für mein Kind da zu sein.

 

Na toll, das kann ja heiter werden“, brummt der polobehemde Mittfünfziger in der CheckIn-Schlange am Flughafen, als er uns sieht.

Was mir aber manchmal helfen würde, wäre ein bisschen mehr Verständnis für mein Kind. Nichts für ungut, sehr viele Menschen sind allerliebst mit Jonathan. Winken ihm zu, verstecken sich hinter vorgehaltenen Händen, um ihn zum Lachen zu bringen oder tragen mir den Kinderwagen die Stufen hoch, wenn die Rolltreppe mal wieder streikt. Das freut mich jedes Mal wahnsinnig.

 

Doch als wir gestern aus dem Urlaub zurückflogen, wurde mir mal wieder bewusst, dass es mit der Kinderliebe nicht immer so weit her ist.

 

„Na toll, das kann ja heiter werden“, brummt der polobehemde Mittfünfziger in der CheckIn-Schlange, als er uns sieht. Später im Flughafen-Restaurant verfolgt uns eine junge Frau Anfang Zwanzig schon mit genervtem Blick, weil wir uns an dem Tisch hinter ihr ausbreiten. Als Jonathan sich beim Kraxeln dann auch noch den Kopf anhaut und losheult, höre ich sie stöhnen. Kurz drauf packen sie und ihr Begleiter ihre Tabletts und ziehen einige Tische weiter. Im Flugzeug sitzen die beiden ausgerechnet in der Reihe vor uns. Außer Jonathan sind noch vier weitere Kleinkinder im Flieger. Irgendeines brüllt oder nörgelt immer. Unseres gefühlt am Lautesten.

Dass das nervig ist für die Brünette vor uns, glaube ich gern. Aber irgendwann haben wir es dann zum Glück alle geschafft. Die Anschnalllichter erlöschen mit wohltuendem „Bing“. Als ich mich mit meinem immer noch herzzerreißend heulenden Kind vom Sitz erhebe, schlängeln ein paar Reihen hinter uns zwei Rentner ihre Arme durch die Luft, die gebräunten Hände auf- und zuschnappend und grinsen uns an. Jonathan verstummt und ringt sich völlig verheult, ein Lächeln ab. Ich bin den beiden in dem Moment so dankbar. Für die liebe Geste und ihr Verständnis.

 

Am Gepäckband sieht man sich dann wieder. Eine Mama, ihrem aufgedrehten Zweijährigen hinterherjagend, stoppt kurz zum Erfahrungsaustausch: „Und, wars bei euch auch so anstrengend?“ „Die Hölle,“ antworte ich. „Naja, was solls“, erwidert sie, „die haben halt keinen AUS-Knopf.“ „Stimmt“, lächle ich und freu mich, dass auch Jonathan wieder fröhlich am Gepäckwagen rumturnt.

Was Eltern wirklich brauchen, ist kein Feiertag, keine Anerkennung für irgendeine Leistung. Keine Pralinen, obwohl, die vielleicht doch. Worüber sie sich aber am allermeisten freuen, ist Verständnis für ihre Kinder. Gerade wenn sich diese nicht nach Drehbuch verhalten. Ich glaube nicht, dass das zu viel verlangt ist. Schließlich ist niemand von uns erwachsen auf die Welt gekommen.

 

 

Katja aus München


Kommentare: 1
  • #1

    Isabel (Freitag, 18 Mai 2018)

    Danke für den großartigen Artikel! Herzerwärmend und zu 100% echt und auf den Punkt gebracht!
    :) wir haben 3 davon- zum Glück sind 2 bereits aus dem Nörgelalter raus. Bin gespannt, wie es uns morgen auf dem Flug in den Urlaub ergeht..!