Let' talk about us!

Als wir selbst noch keine Kinder hatten, kritisierten wir an frisch gebackenen Eltern häufig, dass sie über nichts anderes mehr redeten, als über ihren Nachwuchs.

 

"Sieh nur, wie krass sie sich in den letzten Wochen verändert hat", "seit einer Woche zieht er sich an allem hoch und will unbedingt stehen", "schau mal, aus diesem Strampler ist unsere Maus auch schon herausgewachsen".

 

Dann bekamen wir selber Kinder und wurden besonders in den ersten Babyjahren nicht müde, über das Kind selbst zu reden, dessen Fortschritte und unseren Schlafmangel. Und war es nicht unser Sohnemann, den wir zum Thema machten, so redeten wir über unsere Berufe und schier unendliche To-Do-Listen, die mit jedem Monat, den unser Kind alterte, länger wurden. 

 

Irgendwann kam der Tag, an dem wir uns selber nicht mehr hören konnten. "Merkst du eigentlich, dass wir nie über uns reden. Über uns als Paar. Irgendwie sind wir nur noch Eltern", gab ich zu bedenken "Oder schlafwandelnde Zombies", fügte mein Mann hinzu. Eine schöne Erkenntnis war das nicht. Vom einstigen Spaß-Paar, das keine Party ausließ, immer unterwegs war, in der Natur, in Clubs oder auf Reisen. Endlose Grill-Abende mit Freunden an der Isar, Konzertbesuche oder Sportler-Partys. Wir waren mal cool, zumindest empfanden wir das so. Dann waren wir Eltern. Mit festem Tagesablauf, immer das Wohl des Kindes im Blick. Nicht aber uns selbst. 

 

Und als wir das erkannten, zurückrudern wollten, zurück in ein Leben, das uns wieder jung und verliebt fühlen lassen sollte, war es fast schon zu spät, und wir mussten lernen, zu reden. Über uns. Das war schwerer als gedacht, aber höchste Zeit für uns als Paar, wie sich im Nachhinein herausstellte. 

 

Wenn ich mich ringsherum so umblicke sind bzw. waren wir mit unserem Problem gar nicht alleine. Viele Eltern haben das Problem, sich selbst und ihre Partnerschaft neben Arbeit, Kind und Kegel einfach aus den Augen zu verlieren. Der Fokus ist ein anderer und schwups hat man an die seltenen Auszeiten auch noch fürchterlich hohe Erwartungen. Wenn man dann schon mal als Paar eine Auszeit hat, muss diese einfach perfekt sein. Geht die aber in die Hose... Ich weiß, wovon ich spreche. 

 

Mittlerweile glaube ich gar nicht, dass die Exklusivzeit mit dem Partner immer an ein tolles Erlebnis geknüpft werden muss. Viel wichtiger sind Gespräche, ein Austausch. Auch zwischen Tür und Angel. Eine Umarmung, umschlungen auf dem Sofa liegen, wenn ich für mehr einfach keine Kraft mehr habe. Und dieses "aber eigentlich müsste ich doch noch schnell dies und das"-Gefühl einfach beiseite schieben, wenn der Partner gerade Nähe braucht. Verpasste Anrufe kann man nachholen. Emails lassen sich zu jeder Uhr- und Tageszeit beantworten. Einen innigen Moment kann man nur schwer herbeiholen. Wenn er da ist, muss man ihn nutzen. 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Maximiliane A. Heibl (Donnerstag, 05 September 2019 08:12)

    Liebe Janine,
    alles hat seine Zeit, sagte schon mein Freund Dr. Kalle Zander 1974 zu Vivien:
    Alleinsein, zu zweit sein, ohne Verantwortung für anderen und grosse Verantwortung für seinen Mann, seine Kinder und seine Familie mit allen Freunden.
    Nichts ist so sicher wie der Wandel.
    Darum sollten wir jede Zeit geniessen. Wir müssen dankbar sein für glückliche, sorgenfreie Moment, egal, ob allein oder zu zweit.
    Auch die traurigen Ereignisse sollten wir dankbar annehmen. Sie zeigen uns, dass wir seelisch unbeschadet auch ernstere Zeiten gut durchstehen können.
    Dankbar sein für jeden Lebensabschnitt, für jede Aufgabe, welche uns das Leben stellte, das ist die Lösung.
    lOTTE und Max Giesinger haven't einen Song: "Freu dich auf alles was noch kommt".
    Das wünsche ich Allen von Herzen. Vor allem: Mit hoffentlich viel Zweisamkeit.
    M.A.H.