Heimweh

Bevor ich diese Zeilen veröffentlichte, bat ich um Erlaubnis unseres Neunjährigen, weil ich unsicher war, ob er einen Text über sein Heimweh wirklich veröffentlicht haben möchte. "Aber das haben so viele Kinder, Mama. Du kannst gerne darüber schreiben", ermutigte mich unser Sohn. 

 

Seit unser Ältester etwa ein Jahr ist, ist er es gewohnt, auch mal bei den Großeltern zu schlafen. Kurz nach seinem dritten Geburtstag blieb er ganze zehn Tage bei Oma und Opa, während mein Mann und ich uns in Florida die Sonne auf den Bauch schienen lassen.

 

Richtig genießen, konnte ich die kindfreie Zeit aber immer erst ein, zwei Tage nach dem Abschied. Unser Sohn hingegen hatte selten Sehnsucht nach uns oder das Bedürfnis unsere Stimmen zu hören. 

 

Zu den Urlauben bei den Großeltern gesellten sich dann ab der zweiten Klassen Freizeiten mit den Pfadfindern. Unterwegs zu sein war und ist für unseren mehr als lebendigen und reiselustigen Drittklässler das Beste. Er könnte ständig verreisen, ist regelrecht süchtig nach anderen Kulturen und Landschaften. 

 

Vergangene Woche war es allerdings anders. Unser Sohn hatte das erste Mal so starke Sehnsucht nach seinem Zuhause, dass wir ihn tatsächlich am zweiten Tag aus der Hortfreizeit abholen mussten. Es gab doch einige Eltern, die uns davon abrieten und es besser gefunden hätten, wenn wir noch einen Tag abgewartet hätten. Das konnten wir nicht. Schon gar nicht, als wir den großen Klos in seinem Hals sogar durchs Telefon hören konnten, und ich wusste sofort, dass es nicht irgendeine Laune ist, sondern echtes heftiges Heimweh, das nichts und niemand aus der Welt schaffen kann, außer unser zuhause. Eine völlig neue Erfahrung für unser sonst so abenteuerlustiges Kind und demnach auch für uns. 

 

Am nächsten Tag machten wir uns ein bisschen Gedanken darüber, wie es unserem Sohn in der bevorstehenden Reise mit den Pfadfindern gehen wird, und sammelten mit ihm gemeinsam ein paar Ideen, die helfen könnten, wenn ihn die Traurigkeit übermannt. 

 

Hier unsere Ideen: 

 

Lustige Fotos von uns Eltern und seiner Schwester.

Ein Brief, vorab geschrieben mit dem Titel: Hau ab Heimweh. 

Eine Liste was man auf der Reise gerne wenigstens einmal gemacht haben möchte. 

Vorher mal nachgucken, ob es im Netz Bilder von Unterkunft und Umgebung gibt, um sich nicht ganz so fremd zu fühlen. 

 

Was erleichtert eurem Kind das Reisen ohne euch?  

 

 

 

 

 

 

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