Herzschmerz

In fast jeder Familie gibt es ein Thema, das einen im Alltag nicht kalt lässt. Bei uns ist es der Kindergarten, oder besser gesagt: die tränenreiche Abschiede von unserer Jüngsten am Morgen. 

 

Als unsere Tochter eineinhalb Jahre wurde, fanden wir eine sehr liebevolle Tagesmutter, die Olivia ab dem ersten Tag ins Herz schloss. Ja, es gab die ein oder anderen Tage, an denen die Trennung schwer viel. Im Großen und Ganzen, fühlte sie sich aber in der kleinen Kindergruppe pudelwohl und so wurde das Heim der Tagesmutter fast schon zu einem zweiten Zuhause. 

 

Mit dem dritten Geburtstag wechselte unsere Jüngste dann in den Kindergarten. Die Freude war riesig. Endlich Kindergarten, endlich groß. Erschreckend reibungslos verlief die Eingewöhnung in den ersten zehn Tagen. Doch dann, vom einen auf den anderen Tag, wurde die Freude von tränenreichen Abschieden abgelöst. Ich kannte das auch schon vom Großen und war nicht sonderlich beunruhigt. Außerdem versicherten uns die Erzieher beim Abholen, dass Olivia einen guten Tag gehabt hätte und sich die Tränen wohl wirklich nur auf die Abschiede beziehen. 

 

Seither gibt es Morgen die "o.k." sind und "schlechte" Morgen, die schon zu Hause einen traurigen Abschied erahnen lassen. Gut ist es nie. Es kostet uns immer ein gut Zureden und Erklären, warum es im Kindergarten toll ist und warum alle Kinder unbedingt dort hin möchten. Der Morgen startet mit den Worten: "Ich mag nicht in den Kindergarten. Ich möchte mit euch sein." Die Tage, an denen es nicht so ist, können wir an einer Hand abzählen. Das Gefühl, das sich in uns einbrennt, ist nicht schön. Wir fühlen uns schlichtweg wie Rabeneltern, obgleich wir uns dessen bewusst sind, dass unser Kind sicher in guten Händen ist und wir auch immer die Rückmeldung bekommen, dass sie sich schnell beruhigt hat. 

 

Trotzdem bleibt ein Rest Unsicherheit. Weil wir sie nicht sehen und letztlich auf die Rückmeldung am Nachmittag vertrauen müssen. Wir denken auch während der Arbeit immer wieder an unsere kleine Maus. Denn richtig loslassen tut uns das Thema nicht. Und es bleiben Fragen wie: Ist der Kindergarten zu groß? Hat sie vielleicht Probleme mit dem offenen Konzept? Fehlt ihr eine Bezugsperson? Will sie einfach nur bei uns sein? 

 

Wir wissen es nicht. Sie selbst nennt keinen konkreten Grund, außer: "Ich will nicht in den Kindergarten." Und das seit einem Jahr.  

 

 

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