Kinderbedürfnisse

Da war er wieder. Dieser Moment, bei dem dich eine andere Mutter mitleidig aber irgendwie auch belehrend anguckt und sagt: „Wie deine Tochter schläft nicht alleine ein? Das ist ja schlimm für dich. Da musst du dringend etwas unternehmen. Hast du schon versucht...“

 

Nein, habe ich nicht. Ich weiß, was unsere Jüngste braucht, ich kenne ihre Bedürfnisse und habe kein Problem damit fünfzehn Minuten an ihrem Bett zu sitzen und sie in den Schlaf zu begleiten. Ich genieße es sogar. Wohl wissend, dass unsere Dreijährige in ein paar Jahren noch selbständiger sein wird und das dann gar nicht mehr möchte.


Olivia ist nicht unser erstes Kind. Unser Großer, der ebenfalls sehr viel kuschelte, zeigte uns beim Einschlafen schon sehr früh, wann er uns nicht mehr an seiner Seite brauchte. „Kannst gehen, Mama“, sagte er dann und schlief postwendend ein. Er wollte die Nähe, Sicherheit und seine Geschichte. Dann war es aber auch gut und er schloss zufrieden die Augen.

 

Olivia brauchte immer schon unsere körperlicher Nähe. Am Liebsten Wange an Wange. Je Näher, desto besser. Als sie ein Baby war, gab es Phasen, in denen ich sie nur im Tragetuch (etwas, das unser Sohn überhaupt nicht mochte) hatte, je enger desto besser.

 

Vormittags, wenn Moritz im Kindergarten war, saß ich manchmal Stunden um Stunden mit Ihr im Arm auf dem Sofa, kraulte ihre Stirn und Wange, oder hielt sie einfach nur ganz fest.

 

Weil sie es brauchte und auch heute noch braucht. Wenn der Kindergartentag aufregend war, die Puzzleteile einfach nicht passen wollten, das Lieblingsstofftier in den Dreck viel, es ihr endlich gelang ein Haus mit Fenstern und einem spitzen Dach zu malen, für das sie so lange geübt hat. Nach alledem möchte unsere Jüngste eben nur eins: Nicht alleine einschlafen. Na und?


Nur weil in zig Lehrbüchern steht, dass Kinder das können sollten, bin ich noch lange nicht gezwungen, das für meine Tochter auch zu wollen. Die paar Minuten am Abend möchte ich ihr gerne schenken. Und seit sie eines Abends zu mir sagte: „Du und Papa. Ihr schlaft doch auch immer zusammen“, verstehe ich Olivia noch mehr.

 

 

Wie recht sie hat! Dafür brauche ich kein Lehrbuch! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Mami Maxi Heibl (Donnerstag, 31 Januar 2019 20:51)

    Wie schön:
    Olivia ist ihrer Mami sehr ähnlich:
    Siehe : Rückenkrauli!