Von mir über mich

 

Im Moment habe ich das Gefühl, als würde ich die Kinder nur noch wegorganisieren. Obwohl ich tagtäglich wie eine Bekloppte in die Tasten haue, will der Stapel auf meinem Schreibtisch einfach nicht kleiner werden. Leider sind es meist die Wochen vor Weihnachten, die neben den vielen Terminen wie Weihnachtsfeier, Adventsbasteln in der Schule, Adventskaffee im Kindergarten und, und, und, alles andere als besinnlich sind. Würden jetzt die Kinder noch krank werden, wäre das Chaos perfekt und ich am Rande des Wahnsinns.


Mein schlechtes Gewissen ist groß. Ich sehne mich nach Spielenachmittagen, Plätzchenessen, Christkindlmarktbesuchen mit den Kindern. Noch vor ein paar Monaten war ich diejenige, die am meisten Zeit mit ihnen verbrachte. Jetzt sehe ich sie nicht einmal mehr morgens und bin froh, wenn am Nachmittag die Zeit ist, sie von Kindergarten und Hort abzuholen. Heute gelingt mir das wieder nicht und zu allem Überfluss sind sie auch noch bis Sonntag weg. Warum? Der lieben Arbeit wegen. Dass diese Umstellung für mich so schwer sein würde, hätte ich nie gedacht. Wie oft habe ich meinen Mann beneidet, wenn er den ganzen Tag im Büro saß und ich zuhause einen Streit nach dem anderen schlichtete. Zu gerne hätte ich da manchmal getauscht. Aber man sehnt sich ja immer nach dem, was man gerade nicht hat. Schon verrückt.

 

Manchmal frage ich mich schon, ob unser Lebenskonzept wirklich Sinn macht. Immer dann, wenn ich merke, wie angespannt ich in der wenigen Zeit, die mir mit den Kindern bleibt, bin. Ich schimpfe schneller, bin ungeduldiger, und es fällt mir schwer, mich auf ihre Spiele einzulassen, weil in meinem Kopf schon das Brainstorming für den nächsten Artikel vonstatten geht. Wie unfair das ist, begriff ich gestern Abend. Ich brachte die Kinder ins Bett, las eine Geschichte vor und wollte unbedingt noch an den PC, um ein Interview vorzubereiten. Wie das immer so ist: Genau dann, wenn man es nicht braucht, drehen die Kinder nochmal so richtig auf. Gestern unsere Jüngste. Die Zeit im Blick war ich einfach nur noch genervt. Mein Großer spürte das und schleuderte mir unsanft ins Gesicht: „Man, wir können doch nichts dazu, dass du gestresst bist.“ Recht hat er!

 

 

Natürlich erklärte ich den Kindern gestern noch, dass gerade vor den Ferien einfach viel los ist. Aber sind wir doch mal ehrlich: Unterm Strich zählt bei den Kindern wie ich bin, nicht warum ich so bin, wie ich bin.

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Kommentare: 2
  • #1

    Falk (Freitag, 14 Dezember 2018)

    I feel you. Bald ist es erstmal geschafft.

  • #2

    Fanny (Samstag, 15 Dezember 2018 22:49)

    Oh wie wahr! Und wie oft, ich genau diese Situationen mit meinen Berufstätigen Freundinnen im Büro immer wieder diskutiere...
    In diesen Momenten tröstet mich der Satz einer Sozialarbeiterin „wenn Sie perfekt wären, wäre das für Ihr Kind auch stressig“. Kleiner Trost.