Advent, Advent!

Den Adventskranz hat dieses Jahr unser Großer selbst gebastelt.
Den Adventskranz hat dieses Jahr unser Großer selbst gebastelt.

Wie jedes Jahr Ende November packt mich das schlechte Gewissen. Wenn andere Mütter von Vanillekipferln, Christstollen und diversen Experimenten in Sachen Plätzchenbackkunst berichten, sitze ich stumm in der Runde und fühle mich mies. Es ist der 30. November, und ich habe weder gebacken, alle Weihnachtsgeschenke gekauft, Weihnachtsdeko gebastelt oder den Adventskalender vollends gefüllt.

 

Als mir neulich eine Mutter erzählte, wie viel Zeit sie in einen selbst gebastelten Adventskalender gesteckt hat, blieb mir die Luft weg. Der Kalender war toll, keine Frage, aber ich hätte weder Zeit noch Muse für ein derart zeitintensives Projekt von vier Wochen. Ich weiß nicht, wie andere berufstätige Mütter das machen.

 

Wenn bei uns eine Woche normal läuft, dann arbeite ich im Schnitt 33 Stunden. Die Kinder hole ich meistens gegen drei aus Kita und Hort, fahre sie entweder zum Sport oder zu Freunden, gehe Einkaufen und erledige das Nötigste im Haushalt. An zwei Nachmittagen in der Woche haben wir kein Programm. Wir spielen. Lesen. Kuscheln. Mehr nicht.

 

Sind die Kinder im Bett, setze ich mich entweder nochmal an den Schreibtisch oder mache nichts, weil ich schlichtweg zu müde bin. Doch dann denke ich oft an all das was ich eigentlich machen müsste, weil es alle tun: Plätzchen backen für den Kindergarten, beim Adventsbasteln in der Schule helfen, die Wäsche vom Wochenende endlich mal abhängen und die Dekokiste hervorholen. Ich sehe dann immer genau das, was ich nicht bin bzw. all das, was ich nicht tue.

 

Anders als andere Mütter bastle ich keinen Adventskalender, sondern bestelle ihn, fülle nur oder frage die Großeltern, ob sie das organisieren können.

 

Ich backe höchstens einmal Plätzchen mit den Kindern. Dabei essen wir so viel Teig, dass kaum etwas zum Ausstechen übrig bleibt. Die Plätzchen für Kindergarten und Schule kaufe ich beim Bäcker.

 

Weihnachtskarten schicke ich auf den letzten Drücker. Kleine Präsente für Freundinnen habe ich aus Mangel an Zeit abgeschafft. Wir gehen dann lieber Essen, ins Kino oder trinken Glühwein.

 

Die Weihnachtsdeko verändert sich seit drei Jahren nicht. Jeder Handgriff sitzt.

 

Ich bin nicht perfekt, bin immer ein bisschen zu spät, wenn es um die Vorbereitung von Festen geht. Aber: Ich nutze die Zeit mit den Kindern nach Lust und Laune, nie nach Plan. Unsere Freizeit ist wirklich freie Zeit. Und ich hoffe sehr, sie genießen das genauso wie ich.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sina (Samstag, 01 Dezember 2018 10:07)

    Deshalb verstehen wir uns ❤️��

  • #2

    Dani (Samstag, 01 Dezember 2018 20:48)

    Man sollte einfach das tun, was einem Spass macht. Ich habe auch oft ein schlechtes Gewissen, weil meine Kinder nur ein Hobby haben... � Aber auch wir machen uns gerne einfach mal nen lockeren Nachmittag, ohne Termine etc.. Perfekt ist für mich, wenn man selbst und seine Lieben glücklich sind. Egal ob der Adventskalender gebastelt oder gekauft wurde. Das Leben ist so kurz und kann so schnell vorbei sein, da sollte man die gemeinsame Zeit einfach schätzen! Die Plätzchen vom Bäcker schmecken auch lecker �