Von den „Wildmenschen“.

„Wildmenschen?“, fragte ich lächelnd. „Ja“, Jungs sind „Wildmenschen“.

„Du findest also alle Jungen wild?“

„Ja.“

„Du bist aber auch oft stürmisch.“

„Aber ich bin ein Mädchen.“

 

Gestern hatte unsere Tochter Jungsbesuch. Das ist im Grunde nichts besonderes. Für unsere Maus aber schon. Sie spielt nicht gerne mit Jungs und hat diese gemeinhin abgestempelt als „Wildmenschen“. Weil ich wusste, dass besagter Junge alles andere als wild ist, war ich entspannt und sagte abschließend: „Ich bin mir sicher, dass ihr gut zusammen spielen könnt.“

 

Es klingelte. Olivia stürmte nicht wie sonst zur Tür. Stattdessen saß sie wie die Queen auf einem Holzauto und beobachtete. Mit einem Blick der Bände sprach.

 

Der Junge hauchte ein zuckersüßes, fast schon schüchternes „hallo“ in die Runde. Olivia schwieg und musterte. Von oben bis unten. Als würde sie warten, wann dieser „Wildmensch“ endlich wild wird. Aber er wurde nicht wild.

 

Es folgte eine erste Annäherung von Queen O. Erfolgreich. Sie gingen mal ins Zimmer, spielten zusammen, dann wieder getrennt. Immerhin friedlich und sehr ruhig. Ein gutes Stündchen später äußerte Olivia einen Wunsch: „Ich möchte Fee spielen.“ Der Junge strahlte und sagte: „Ich auch. Darf ich mitspielen?“

 

Ich freute mich riesig und grinste innerlich in mich hinein, weil ich einen personifizierten Beweis dafür gefunden hatte, dass man bei Jungs nicht pauschal von „Wildmenschen“ sprechen kann. Aber da hatte ich mich zu früh gefreut.

 

Olivia brüllte dem armen Kerl ziemlich harsch ins Ohr: „Mit dir spiele ich nicht Fee. Du bist ein Junge und kannst überhaupt keine Fee sprechen“. Zack, hatte sie ihm die Figuren auch schon aus der Hand gerissen. Einen Vortrag haltend, warum überhaupt kein Junge -außer ihr Papa und ihr Bruder- jemals eine Fee spielen können. „Du hast einen Penis und kannst das nicht.“

 

Na, ich hoffe das gibt sich mit der Zeit!  

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