Seid lauter!

 

 

Ich schlafe derzeit schlecht. Seit Tagen verfolge ich in den Medien die Geschehnisse in Chemnitz. Und mache mir Sorgen. Um die Zukunft. Fassungslos gucke ich mir die Videos der vielen Gleichgesinnten in den sozialen Medien an. Ich möchte weinen und schreien zugleich. Eine Wut, die ich schwer beschreiben kann. Eine fassungslose Wut. 


Ohne Frage ist die Ermordung des 35-jährigen Deutsch-Kubaners durch nichts auf dieser Welt zu rechtfertigen und gehört bestraft. Und das wird es auch. Dafür leben wir in einem Rechtsstaat.

 

 

 

Was infolgedessen in Chemnitz passiert ist, ist ekelhaft: Rechtsextreme haben sich den Tod eines Menschen zunutze gemacht, um ihre Hetzjagd auf anders aussehende zu rechtfertigen.

 

Ist das nicht widerlich?


Es versammeln sich Menschen und brüllen „raus aus unserer Stadt“, „Widerstand“ und „faules Pack“. Sie filmen voller Stolz, was da geschieht und rechtfertigen ihr aggressives Verhalten und ihre rechten Parolen mit Sätzen wie: „Es muss ja mal was passieren.“


Ist das nicht abscheulich?


Natürlich haben nicht alle, die in Chemnitz auf die Strasse gegangen sind, Migranten bedroht oder gejagt. Es haben auch nicht alle die Hand zum Hitlergruß erhoben. Nein. Aber sie sind mitgelaufen, haben es hingenommen und damit akzeptiert. Und das ist genauso schlimm!

 

Als ich mir die Videos anguckte, auf denen zum Teil Menschen wie Du und ich zu sehen waren, habe ich mich immer wieder gefragt: Wollt ihr das wirklich? Wollt ihr euch wirklich zu diesen Rechten gruppieren. Zu Menschen, die auf unsere Demokratie spucken. Die alles daran setzen ein „Deutschland den Deutschen“ zu etablieren. Wollt ihr das?


Mich lässt dieser Hass innerlich einfrieren. Wie können Menschen so viel Hass in sich und in die Welt tragen? Und was können wir tun, um das Schlimmste zu verhindern? Mir fällt nur Eines ein: Dagegen halten! Lauter sein!

 

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Marianne Buisman (Donnerstag, 30 August 2018 09:54)

    Nichts sagen und nur hinschauen is acceptieren. Bevor man es weisst, ist es zu spät. Wie im 1933

  • #2

    alles.von.mutti. (Donnerstag, 30 August 2018 10:41)

    Da kann ich nur zustimmen, Marianne Buisman. Ich hoffe nicht, dass wir irgendwann einmal sagen müssen: Jetzt ist es zu spät! Deshalb: Aufstehen, Meinung sagen und eben nicht akzeptieren!

  • #3

    Jens Hösel-Uhlig (Mittwoch, 05 September 2018 04:44)

    "Lauter sein" ist aus meiner Sicht ein völlig falscher Ansatz. Um es gleich vorweg zu nehmen: ich distanziere mich von jeglichem nationalsozialischen Gedankengut. Dennoch halte ich die in Deutschland praktizierte Flüchtlingspolitik für einen Fehler. Wenn das BKA veröffentlicht, dass in 2017 mehr Deutsche als je zuvor Opfer von "durch nicht Deutsche" (sorry: O- Ton BKA) verübte Straftaten wurden, ist das aus meiner Sicht auch durchaus berechtigt. Das muss man so sagen dürfen, sollte man meinen! Nein, das darf man in Deutschland eben NICHT, denn sobald man so etwas sagt oder schreibt, ist man "braun", Nazi, Hetzer, rechtsradikal und und und. Und genau DAS ist das Problem. Es fehlt ein fairer Dialog. Die Menschen in Chemnitz und anderswo möchten gehört werden. Glaubt wirklich irgendjemand, dass in Chemnitz 8000- 10000 Nazis rumlaufen? NEIN! Von den Menschen die bei der Demo am letzten Montag auf der Straße waren, waren laut Augenzeugen maximal 25 bis 30 wirklich rechtsradikale Spinner dabei. Der Rest waren ganz normale Menschen, die verunsichert sind und sich vom Staat einfach nicht mehr beschützt fühlen. Und da ihnen sonst offensichtlich keiner zuhört, nutzen sie die Plattform, die sich jetzt bietet. Wer will es ihnen verdenken? Wer will den Menschen verdenken, dass sie sich bedroht fühlen, wenn in der Nacht auf offener Straße Menschen bestialisch abgestochen werden? Ich bin der Letzte der irgendwas gegen Flüchtlinge hat, die sich in unserem Land integrieren und für ihren Unterhalt arbeiten wollen. Aber wenn Menschen in unser Land kommen, die unsere Gesetze nicht achten, vergewaltigen, rauben, morden etc., dann gehören sie des Landes verwiesen, SOFORT! Die bis jetzt bekannten Täter von Chemnitz sind mehrfach vorbestraft, einer davon hätte 2016 abgeschoben werden können, nein MÜSSEN. Wenn man einen fairen Dialog darüber führen würde, wären die Menschen in Chemnitz nicht auf der Straße. Übrigens hat die Generalstaatsanwaltschaft Sachsens die angebliche Hetzjagd auf "anders aussehende Menschen" untersucht und ist zu dem Entschluss gekommen, dass es sich dabei um eine reine Erfindung der Medien handelt. Redet endlich mit den Menschen, nehmt ihre Sorgen und Ängste Ernst, statt sie - auch und vor allem seitens der Medien- ständig als Nazis zu beschimpfen! Solcherlei Berichterstattung dämmt keinen Hass ein, sondern schürt ihn!