Zu perfekt!

No Filter! Dafür: Falten, rote Chloraugen und Natur pur!
No Filter! Dafür: Falten, rote Chloraugen und Natur pur!

Ich bin noch nicht lange bei Instagram, weil ich anfangs sehr skeptisch war. Als Bloggerin oder Journalistin einen Account bei Instagram zu haben, gehört aber heute fast schon zum guten Ton. Zugegeben: Zu Beginn war ich begeistert, mit wie viel Liebe so manches Profil geführt wird. Und natürlich hat Instagram auch für mich einen gewissen Reiz, das will ich gar nicht abstreiten. Man generiert in relativ kurzer Zeit seine Likes und Follower. Wenn man viel Zeit reinsteckt, vielleicht auch Geld und vor allem am Ball bleibt. Für ein „ab und an“ wird man bei Instagram selten belohnt.

 

Den Mechanismus kapiert, offenbart man letztlich dann doch so einiges von sich, dem Alltag, der Familie, den Vorlieben und trägt so sein ganzes Inneres in die große weite Welt hinaus. Ohne seine Betrachter zu kennen.

 

Keine große Überraschung, schon klar! Aber es macht mich nachdenklich. Auch und obwohl ich es mit meinem Blog nicht anders mache. Seit ich aber Instagram nutze, bin ich sensibler geworden und denke mehr darüber nach, was ich in diese Parallelwelt wirklich tragen möchte.

 

Instagram vermittelt eine Wirklichkeit, die gar keine ist. Das was ich da täglich an Bildern sehe, ist genauso bearbeitet wie meine eigenen auch. Ich bearbeite mit Farben, andere benutzen noch aufwändigere Tools, um sich bestmöglich in Szene zu setzen.

 

Weiß eigentlich auch jeder und trotzdem fängt man an sich zu vergleichen: Warum ist deren Wohnzimmer trotz Kinder so verdammt perfekt eingerichtet? Wieso hat diese Mutter von drei Kindern noch nicht mal den Ansatz von Wabbelspeck an Bauch, Beinen und Po? Wie schafft dieser Vater es mit einem Kleinkind auf dem Schoß in der Eisdiele zu sitzen, ohne mit seinem Eis eins geworden zu sein? Und wie zur Hölle gelingt es anderen Eltern, dass ihre Kinder perfekt gestylt das Haus verlassen und genauso wieder zurück kommen?

 

Genau, schaffen sie gar nicht. Weil es das alles gar nicht gibt. Diese Momentaufnahmen sind einfach surreal und lichten gänzlich am echten Leben vorbei ab. Da nehme ich mich nicht aus. Ich poste auch nur Fotos, auf denen ich mir selbst gefalle. Dennoch: Perfekt sehe ich dabei nie aus. Wieso auch, ich bin es nicht.

 

Ich wache morgens völlig zerknittert auf, und wenn ich mal im Bett frühstücke, was ich tatsächlich sehr gerne mache, dann tue ich das eben völlig zerknittert. Ich sitze nicht im Schneidersitz mit glänzend glatten Beinen, Seidenbademantel, sexy BH und Slip, gemachten Haaren, roten Lippenstift, Detoxsaft und Ananas auf meinem faltenfreien Bett und lächle zufrieden in die Tageszeitung. Nein. Meine Haare gleichen einem Vogelnest, ich trage meist weite Shirts von meinem Mann, natürlich habe ich keinen BH an und geschminkt bin ich auch nicht. In absolut unvorteilhaften Posen, bei denen all meine Speckpolster, Falten und normalen Alterserscheinungen zum Vorschein kommen, versuche ich stattdessen, die tobenden Kinder neben mir zu besänftigen, damit mein verdammt starker Kaffee nicht verschüttet wird.

 

Und wenn ich zum Spielplatz gehe, trage ich auch keine weißen Spitzenkleider mit feinsten Riemchensandalen, denn spätestens nach einer halben Stunde wäre das Kleid nicht mehr weiß, oder ich hätte einen riesengroßen Rasenfleck auf meinem Hintern.

 

Ernsthaft: Manchmal scrolle ich die durch die Timelines verschiedener Accounts und erschrecke. Alles sieht gleich perfekt aus. Die Häuser, die Kinderzimmer, die Menschen, die darin leben... . Leben die überhaupt noch?

 

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