Morgenroutine!

Ein Pippiunfall, eine verschüttete heiße Milch, Sonnencreme im Haar. Manchmal ist so ein Familienmorgen echt verflixt.

 

Nach vier Tagen Mandelentzündung brannte unser Großer heute regelrecht darauf, in die Schule zu dürfen. Wie schön, könnte man jetzt sagen, dass der Bub so gern zur Schule geht. Ist es auch, aber immer, wenn sich Moritz auf etwas freut, kann er nicht mehr aufhören zu reden. Wirklich. Er steht auf und redet durch. Ob er Luft holt, kann ich gar nicht genau sagen. Er redet und redet und redet. Wenn er eine Frage stellt, kann er die Antwort nicht erwarten und stellt lieber gleich die nächste Frage.

 

Seit ich aber Kinder habe, bin ich ein Morgenmuffel. Früher konnte ich ohne Probleme um sechs Uhr aufstehen, war weder müde noch motzig. Heute mag ich es ruhig, gemütlich und vor allem: leise. Alles andere bereitet mir Herzrasen und schlechte Laune. Zugegeben, das ist für die Kinder nicht ganz einfach, aber jeder Mensch hat eben so seine Macken. Und ich mag vor acht Uhr weder spielen, noch besonders viel reden, rennen oder basteln. Ich mag Kaffee und sonst nix.

 

Olivia ist da ganz bei mir. Sie ist morgens sehr gemütlich und vor allem ruhig. Ich glaube ja, sie hat sich mir in gewisser Weise angepasst. Ha ha. Aber heute war alles anders.

 

Während ich das Frühstück machte, die Brotzeitdosen füllte und Moritz ohne Punkt und Komma auf mich einredete, brüllte Olivia: „Mama, ein See.“ Wortkarg wie ich bin sagte ich: „Wie schön.“ Moritz aber vernahm offenbar ein seltsames Geräusch aus seinem Zimmer und ging der Sache erstmal auf den Grund. Einen Kaffeeschluck später schrie er: „Mama, schnell, die Olivia hat auf meinen Boden gepieselt.“ Augenrollen, aufstehen, Malheur beseitigen, weiter machen.

 

Endlich am Tisch sitzend, dauerte es keine fünf Minuten, da schrie Moritz: „Du blöde Kuh. Jetzt muss ich mich nochmal neu anziehen.“ Ich hob den Blick und sah: Milch. Überall Milch. Augenrollen, aufstehen, Malheur beseitigen, weiter machen.

 

Dann ging Moritz endlich aus dem Haus. Es war deutlich ruhiger. Zu ruhig. Also ging ich nach oben und sah meine Dreijährige mit Sonnencreme in der Hand. Und in den Haaren. „Ich creme mich schon mal ein“, strahlte mich das Mäuschen an. Wie soll man da sauer sein?

 

Nachdem ich also halbwegs das fettige Zeug aus ihrem Haar kämmte und mich an einer passablen Frisur versuchte, blickte ich auf die Uhr und stellte fest: Wir sind spät dran. Sehr spät. Schnell den Schlüssel, das Mäuschen und Laufrad gepackt und raus. Wir rasten so flott, dass ich erst auf halber Strecke merkte, dass ich keine Schuhe anhatte. Das ist ja hier auf dem Land nicht weiter dramatisch. Aber jetzt kommt's: Ich hatte noch meine Schlafhose an. Oben alles tip top, aber unten...

 

Olivia krümelte sich vor lachen, als ich sagte: „Guck mal, ich habe vergessen, meine Schlafanzughose auszuziehen.“ Genau wie ihre Freunde im Kindergarten. Aber eines kann ich sagen: So lustig hat noch kein Familienmorgen geendet.

 

 

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