Das "Ich will mich nicht anziehen"-Monster

Jeden Morgen der gleiche Mist. Unsere Jüngste streikt beim Anziehen. Mal sind die Hosen zu eng, die T-Shirts zu weit, mal die Socken zu kratzig – von den Schuhen ganz zu Schweigen.

 

Natürlich haben wir den Schrank so optimiert, dass sie sich seit ihrem zweiten Lebensjahr alleine anziehen kann. Das klappte bis dato auch ganz gut.

 

Seit ein paar Wochen ist die Lage aber eine andere. Meist, wenn die Sonne scheint und der einzig geliebte Tüllrock in der Wäsche.

 

Heute war wieder so ein Sonnentag. Die Maus steht gut gelaunt auf, frühstückt, geht mit mir ins Bad. Soweit so gut. Dann sage ich: Komm, wir suchen dir etwas zum Anziehen. Bäm! Das Kind wirft sich aufs Bett, weint und ruft Dinge wie: „Ich gehe nie wieder raus.“

 

Anfangs war ich erbost, sauer und regte mich irre auf über diesen sinnlosen Streit am Morgen.

 

Heute, wie auch schon die letzten Tage, fehlte mir die Kraft dafür. Ich wollte nicht meckern oder schreien. In Gedanken war ich irgendwie schon bei meinen Texten, die ich heute noch zu schreiben habe. Und wie sie da so saß und ihr die Tränen runterkullerten, tat mir die Kleine auch leid. Was kämpft sie denn da für einen Kampf?

 

Also fragte ich sie, ob ich mal an ihrem großen Zeh drehen dürfte. Das wäre nämlich der Gute-Laune-Knopf. Sie willigte ein, lächelte und zeigte sich sanfter denn je. Nach einer Weile fragte ich: „Warum magst du keine Kleidung anziehen?“ Und sie antwortete: „Mama weißt Du, mit der Sonnencreme klebt die Kleidung immer so an meiner Haut. Das mag ich überhaupt nicht.“ Wieder Tränen.

 

 

Ich nahm sie in den Arm und verstand. Endlich gab es eine Erklärung, die ich nachvollziehen konnte. So ging das Mäuschen heute tatsächlich in Unterhose in den Kindergarten. Warm genug war es ja. Ich packte ihr natürlich Kleidung ein und bereitete sie darauf vor, dass es sein könnte, dass die anderen Kinder sich wundern und vielleicht auch lachen. „Dann lache ich zurück“, war ihre Antwort. Mal sehen, wie es ihr heute wirklich erging.    

Kommentar schreiben

Kommentare: 0