Heute lieber unperfekt. Ein Interview mit Buchautorin Nathalie Klüver

Weil wir momentan wieder so eine unfassbar fordernde Zeit durchleben, habe ich Nathalie Klüvers neuestes Werk Die Kunst keine perfekte Mutter zu sein (TRIAS Verlag) quasi inhaliert. Als Dreifachmama weiß die Journalistin, Bloggerin und Buchautorin um die Hürden des Alltags und was es bedeutet, diesen zu schaukeln.

 

Dabei ist sie nicht perfekt und steht auch dazu. Und das ist es auch, was die Lübeckerin so authentisch macht. Eben eine „ganz normale Mama“ zu sein – was in unserem Gespräch ebenfalls deutlich wird.

 

Hi Nathalie, danke, dass Du dir Zeit für unser Interview genommen hast! Kürzlich erschien dein Buch Die Kunst keine perfekte Mutter zu sein. Ab heute lieber unperfekt: Ist das dein ultimativer Tipp an die Mütter von heute?

 

Ich würde es eher so formulieren: Hört auf, euch einen Kopf darüber zu machen, was die anderen von euch denken. Und hört auf, es allen recht machen zu wollen.

Man kann es einfach als Mutter nie allen recht machen. Und statt die Energie darin zu verschwenden, es anderen recht machen zu wollen, sollte man seine Energie lieber darauf konzentrieren, seinen eigenen Weg zu gehen.

 

In welchen Bereichen bist du gerne „unperfekt“, und was lässt du gerne dafür liegen?

Den Haushalt! Der hat bei mir grad nicht wirklich die oberste Priorität. Klar gibt es Dinge, die gemacht werden müssen, und ein gewisses Maß an Sauberkeit muss sein.

Aber ich habe mich da sehr optimiert. Außerdem habe ich konsequent Kontakte ausgemistet, die ich nur aus Pflichtgefühl aufrecht erhalten hatte und konzentriere meine Zeit und Energie auf die Menschen, die mir wirklich wichtig sind.

 

Dein Instagram Account strahlt: Immer ein breites Lachen und totale Zufriedenheit. Gibt es trotzdem in deinem Leben Momente, in denen du am Liebsten in den Flieger steigen würdest? Allein?

Ich bin eine notorische Optimistin und glaube daran, dass Humor viele Probleme löst. Aber natürlich ist auch hier nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Darüber schreibe ich ja auch auf meinem Blog - über die Momente, in denen man am liebsten ausrasten würde. Gibt es viel zu oft.

Aber alleine im Flieger würde ich dann doch alle vermissen. Egal, wie sehr sie mich nerven. Ich vermisse meine Kinder schon nach vier Stunden Kindergarten. Naja, nach fünf Stunden.

 

Jeder hat im Alltag seine Stressmomente mit Kindern. Die einen finden die Morgen furchtbar, andere wiederum das Zubettbringen. Was stresst Dich im Alltag am meisten, und mit welchen Mechanismen schaffst du es, deinen Puls wieder zu regulieren?

Mich stresst zurzeit das Insbettbringen sehr. Da drehen meine Jungs noch mal so richtig auf, anstatt müde zu sein. Das macht mich wahnsinnig!

Es hängt von der Tagesform ab, wie ich damit umgehe - und davon, ob ich abends noch arbeiten muss. An manchen Tagen mache ich einfach auch ein bisschen Quatsch mit ihnen oder lasse sie einfach noch eine halbe Stunde länger auf.

Aber viel zu oft bin ich einfach nur genervt und meckere viel zu viel. Ich sehe es aber so wie beim Nudelnkochen: Ab und zu Dampf ablassen, dann kocht auch nix über.

Im Alltag hilft mir ganz oft aber auch einfach ein Perspektivenwechsel: Ich stelle mir vor, dass wir grad Teil in einem Film sind und ich von außen zugucke. Dann fällt mir das Absurde an dem Moment auf, und ich kann wieder lachen. Hilft wirklich!

 

Du schreibst in deinem Buch, dass die Erwartungen an die Mütter von heute extrem hoch sind. Auch weil die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwer ist und der Großteil der Hausarbeit immer noch an den Müttern hängen bleibt. Wie regelt ihr das?

Da mein Mann abends erst spät nach Haus kommt, übernehme ich das meiste. Er ist dann für Spezialaufträge wie Kühlschrankputzen oder so zuständig. Da ich von zuhause aus arbeite, mache ich vieles nebenher.

Wenn ich darauf warte, dass das Teewasser kocht, räume ich nebenher den Geschirrspüler aus. Man wird mit der Zeit ziemlich effektiv! Aber ich würde gerne mehr delegieren, denn es bleibt unterm Strich doch noch zu viel an mir hängen.


Ich selbst habe zwei Kinder und hatte beim ersten Kind des öfteren das Gefühl, ungenügend zu sein und den gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Warst du schon immer so locker und ganz bei dir? Oder bist du da erst reingewachsen?

Ich hatte vor dem ersten Kind tatsächlich das Bild vor Augen: Ich arbeite locker weiter und halte auch noch nebenbei den Haushalt in Schuss. Hat dann nicht ganz geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe...

 

Ich musste das auch erst lernen und meinen eigenen Weg suchen. Man wird auf so vieles auch gar nicht vorbereitet. So richtig angekommen bei mir und unserem Familienweg bin ich tatsächlich auch erst jetzt beim dritten Kind. Und diese Gelassenheit wirkt sich auf unsere Maus aus - die ist nämlich auch super entspannt.

 

Ich wünschte mir schon, dass ich einiges schon beim ersten Kind gewusst hätte! Aber egal wie viele Bücher man liest - man kann gar nicht auf alles vorbereitet sein.

 

Was möchtest du zum Abschluss den Vätern mit auf dem Weg geben?

 

Lasst die Mütter auch mal jammern ohne gleich mit guten Tipps zu kommen! Hört euren Frauen einfach mal zu, lasst sie ausreden und packt dann einfach mal die Geschirrspülmaschine aus ohne viele Kommentare.

 

Lasst den Frauen Zeit für sich, nehmt das Baby beim Duschen ab, geht mit dem Baby spazieren und vor allem: Seid aufmerksam, wie es Euren Frauen geht. Wir Frauen sagen das nicht immer so direkt!

 

Danke Nathalie! Ich freue mich auf noch mehr Lesestoff auf deinem Blog www.ganznormalemama.com.  

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