Scheiß drauf!

Seit Jahren klebt an unserem Kühlschrank ein Button mit den weisen Worten „Einen Scheiss muss ich“. Ich lese ihn also mehrmals täglich und sage „genau“ zu mir. Manchmal bekomme ich aber doch noch Herzrasen, wenn ich an all die Dinge denke, die ich noch tun muss. Oder glaube, sie tun zu müssen.

 

Ich kann mich noch gut an eine Episode erinnern, die wir zu unseren Münchner Zeiten erlebten. Wir sollten uns bei einem Waldtag meines Großen mit einer Kuchenspende beteiligen. Das klingt jetzt total herzlos, aber ich hasse es! Ich hasse Kuchenspenden!

 

Weil es immer in so einem Wettkampf ausartet: Wer hat den besten und gesündesten Kuchen? Wer das originellste Rezept? Welcher sieht besonders lecker aus? (Augenroll)

 

Weil es mir damals (wie auch heute) an Zeit mangelte, ich nach der Arbeit noch Arzttermine mit dem Großen hatte, war es mir nur möglich eine Backmischung anzurühren. Die haben unser Junior und ich aber besonders schön dekoriert, mit Smarties, vielen bunten Streuseln und Marienkäfern....

 

Die Kids waren begeistert, die Eltern nicht. Vater B. sagte nach dem ersten Bissen: „Dann danken wir mal Dr. Oetker für den Kuchen.“ Und Mutter S. gab mir mit auf den Weg: „Also wenn man sich nicht mal die Zeit nehmen kann, seinem Kind einen echten Kuchen zu backen, sollte man seine Familienaufstellung nochmal überdenken.“ Sie hätte da noch ein paar Tipps zur besseren Organisation des Alltags. (Aha.)

 

Heute stehe ich drüber! Ich scheiss drauf, lasse das abprallen wie eine richtig gute Regenjacke die Nässe und genieße die Zeit, die ich durch Liegengebliebenes spare voll und ganz. Und vor allem mit den Kindern.

 

Damals aber hat mich das völlig verrückt gemacht. Ich habe mich schlecht gefühlt. Irgendwie ungenügend. Nicht wie eine gute, liebevolle Mama.

 

Die letzten Jahre haben mir aber gezeigt, dass es den Kindern um viel mehr geht, als um ein perfektes Surrounding. Sie wissen, dass ich alles andere als perfekt bin. Dafür wissen sie, dass ich mein Bestes gebe. Das stellt nicht immer zufrieden, aber was soll ich machen?

 

Ich möchte nicht nächtelang in der Küche stehen und abstrakte Kuchengebilde formen. Nein, ich möchte in dieser Zeit lieber schlafen. Jetzt wo die Kinder endlich gut schlafen. Total egoistisch, aber eben real. Und das Schöne ist: Wenn ich leise vor mich hinsage „ich müsste jetzt mal die Wäsche machen“ sagt mein Großer: „Mach später Mama und scheiss auch mal drauf!“ Jawoll!

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