Eine Demo muss her!

Ich kann es einfach nicht mehr lesen. Das Netz ist voll von Artikeln, die die Themen „Working Mom“, die Vereinbarkeit von Job und Familie, die Doppelbelastung, die Ungerechtigkeit gegenüber Alleinerziehenden etc. behandeln.

 

Und überall steht das Gleiche: Wir Mütter arbeiten hart, zu sauschlechten Konditionen, managen zudem noch Haushalt, Kinder, deren Geburtstage, alle Kinderkrankheiten, halten vielleicht noch dem Mann den Rücken frei und strampeln damit zusehends in ein handfestes Burn-out.

 

Uns dröhnt der Kopf, wir haben Schlafstörungen, gehen täglich an Belastungsgrenzen. Man, ist das scheiße. Und frustrierend! Und so verdammt ungerecht!

 

Aber ich kann es trotzdem nicht mehr lesen. Und dass, obwohl es mir nicht anders geht. Mein Mann ist beruflich so eingespannt, dass es schon viel ist, wenn wir alle paar Monate mal einen ganzen Sonntag zusammen verbringen können. Es gibt wahrlich wenige Wochen, in denen er eine normale Montag-bis-Freitag-Arbeitswoche hat. Ich bin ständig alleine, die Kinder und ich häufig krank. Ich mittlerweile häufiger als die Kinder.

 

Aber ich will mir meine Stärke nicht nehmen lassen. All diese Artikel, in denen steht, wie beschissen wir Mütter heutzutage dran sind... . Sie ziehen mich runter. Sie machen mich traurig und rauben mir die Energie.

 

Ja, manchmal schreibe ich selbst über diese Themen. Natürlich. Ich möchte ja nicht wegsehen und finde sie extrem wichtig. Und ich weiss, dass das Thema „Working Mom“ eines ist, das viele bewegt. Weil wir alle im gleichen Boot sitzen. Und genau das ist der Punkt: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Könnten wir da nicht viel mehr bewegen, als „stumm“ Artikel zu lesen, zu kommentieren und zu uns zu sagen: „Scheiße, mir geht’s genauso“?

 

Heute Morgen bin ich aufgewacht und wusste, der Tag wird verdammt voll. Immerhin sind alle gesund. Das ist schon viel wert.

 

Dann bekam ich eine Nachricht von einer Freundin, die alleinerziehend ist. Ihr Arbeitgeber möchte, dass sie ihre Stunden reduziert und ihre Führungsposition aufgibt. Weniger Kohle, Existenzängste, Druck. Ich wollte ans Fenster rennen und laut schreien. Weil es ungerecht ist. Weil es keinen Grund gibt, für solche Aktionen. Weil es einfach unverschämt ist.

 

Ich habe nicht geschrien. Aber gerade denke ich, das sollten wir. Statt mit dem Tablet auf dem Sofa zu sitzen und Verbündete im Netz zu suchen, Schicksale, die das gleiche Päckchen tragen wie wir, sollten wir uns im echten Leben verbünden und… Demonstrieren! Auf die Strasse gehen, klar machen, was uns wirklich helfen würde, gleiche Rechte fordern. Und zwar laut! Keine „es wäre schön, wenn“-Sätze. Früher wurde alle Nase lang demonstriert. Bei so einem wichtigen Thema aber, bei dem es um unsere Zukunft geht, um unsere Nerven und Grenzen, da „schweigen“ wir? Was wäre, wenn wir unseren männlichen Arbeitskollegen einfach ihre Positionen streichen, Geld kürzen, Aufgabengebiete wegnehmen? Würden die das einfach so hinnehmen?

 

Wenn wir Mütter alle mal streiken würden... . Keiner will das Mama streikt. Aus gutem Grund! Deshalb sollten wir laut und klar einstehen für Veränderungen, die wir und unsere Familien dringend brauchen.

 

Wir wollen Lohngleichheit. Nicht irgendwann, nein sofort.

 

Wir wollen unsere alten Stellen und vor allem Aufgaben nach der Elternzeit zurück. Schließlich sind wir nicht verblödet, nur weil wir zwischendurch ein Kind bekommen haben.

 

Wir wollen selbst entscheiden, ob Teilzeit, Vollzeit oder gar nicht arbeiten für uns das Richtige ist.

Ohne Kritik am jeweiligen Modell!

 

Wir wollen genauso in Führungspositionen arbeiten, wenn das unser Wunsch ist.

 

 


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