Schwiegermonster? Fehlanzeige!

 

Es wird ja viel über Schwiegermütter geschimpft. Gibt man beispielsweise „Schwiegermutter“ bei google ein, hagelt es Ratschläge, wie man mit dieser Spezies auskommen kann oder wie man das „Schwiegermonster“ am Besten zähmt.

 

Es gibt sogar eine wissenschaftliche Studie, die besagt, dass Frauen, die mit ihren Müttern oder Schwiegermüttern zusammen wohnen, im Schnitt weniger Kinder bekämen. Die Schwiegermutter quasi als Verhütungsmittel. Schon heftig! 

 

Ich kenne das aus dem Freundes- und Leserkreis. Es gibt wirklich wenige, die gut miteinander auskommen. Noch schwieriger wird es, wenn sich Nachwuchs ankündigt. Denn dann passiert das, was unweigerlich zu Konflikten führt: Die Schwiegermutter gibt ungefragt Ratschläge und benutzt häufig Redewendungen wie „euch haben wir ja auch groß bekommen und uns längst nicht so viele Gedanken gemacht“. Unterm Strich ist da vielleicht sogar was dran. Weil wir aber im Hier und Jetzt leben und nicht damals, Medizin und Wissenschaft sich weiterentwickeln konnten, Erziehungsstile überdacht wurden, reagieren wir Eltern eben allergisch auf solche Aussagen.

 

Erst neulich wurde ich wieder gefragt: Wie war das eigentlich mit deiner Schwiegermutter, als ihr Nachwuchs bekommen habt? Wenn ich jetzt so zurückdenke, dann war da erstmal nur Freude. 

 

Ratschläge kamen erst später. Aber zurückhaltend. Und eigentlich meist dann, wenn ich sagte: „Ich weiß nicht Irmi. Irgendwie geht das so nicht.“ Sie erzählte dann einfach, wie sie es mit ihren Kindern gemacht hat. Aber ohne den erhobenen Zeigefinger à la „das musst du jetzt genauso machen“. Insofern habe ich von einer stillen Beobachterin profitiert, die selbst in ihrer Schwangerschaft und Folgezeit, darauf Wert gelegt hat, alles „richtig“ und vor allem zeitgemäß zu machen. Und deshalb allmonatlich die Zeitung Eltern verschlungen hat.

 

Natürlich gehen ihre und meine Meinungen in punkto Kindererziehung und Elternrollen manchmal auseinander. Aber das ist ok. Die Kinder dürfen bei Oma vieles, was ich nicht erlaube, oder nur sehr selten. Und das ist auch gut so.

 

Ich kann mich erinnern, dass ich das als Kind sehr genossen habe. Freitags bei Omi... Das war der beste Wochenabschluss. Wir durften zu Unzeiten ins Bett, haben uns die Augen vor dem TV eckig geklotzt und währenddessen Unmengen an Süßigkeiten verschlungen. Und das war so verdammt großartig! Die Frage also, ob man das, was die Schwiegermama macht oder nicht macht, gut findet, sei mal dahin gestellt. Aber ich denke, darum geht es auch gar nicht.

 

Seit ich mit meiner Schwiegermutter im selben Ort wohne, weiß ich eine Sache auf alle Fälle sehr zu schätzen: Das ist Rückhalt. Ich weiß, dass ich anrufen kann, wenn ich Unterstützung brauche. Und das fällt mir immer noch schwer, weil ich grundsätzlich jemand bin, der alles alleine schaffen will.

 

In Zeiten wie jetzt aber, in denen mein Mann und ich wirklich krank sind, wir also schlichtweg eine Betreuung für die Kinder brauchen, sind wir auf der sicheren Seite. Wir können einfach nur krank sein und in Ruhe genesen und müssen nicht nebenbei noch Kinder abholen, Hausaufgaben erledigen, zum Turnen bringen, Essen vorbereiten, Wäsche machen etc.

 

Wie wertvoll das ist, weiß ich, denn ich habe viele, viele Jahre keine Familie in greifbarer Nähe gehabt. Und um ehrlich zu sein, ist es mir dann auch scheißegal, ob das, was auf den Tisch kommt, besonders nahrhaft und die Bespassung der Kids pädagogisch wertvoll ist. Auch ob sie an die frische Luft gehen oder sich in der Bude zahlreichen Rollenspielen hingeben, ist mir wurscht. Sie sind glücklich bei mir/uns und glücklich bei Omi. Und bei Opi. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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