Viruszwickmühle

Ich mache drei Kreuzzeichen, wenn der Winter vorüber ist und wir endlich mal mit allen Bakterien und Viren durch sind.

 

Seit November ist alle zwei Wochen einer aus der Familie krank. Manchmal sogar drei. Aktuell sind das mein Mann und die beiden Mäuse. Ich bin zur Abwechslung fit und hoffe wirklich sehr, dass das auch so bleibt. Mit dem wenigen Schlaf, dem vielen Trösten und Kuscheln, wäre das ein echtes Wunder.

 

Während ich also allerhand Streicheleinheiten verteile, Medikamente verabreiche, das hoch fiebernde Kind mit Vorlesen ablenke oder Kotze vom Boden wegwische, füllt sich mein Postfach mit Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit. Arbeit, die ich in allen Schlaf- und TV-Pausen der Kinder versuche zu bewältigen.

 

Die letzte echte 25 Stunden Woche hatte ich irgendwann Anfang November. Seither jongliere ich und bin einfach nur dankbar, nicht alleine für den Lebensunterhalt unserer Familie zuständig zu sein. Und die Freiheit zu haben, solange zu Hause zu bleiben, bis auch der kleinste Schnupfen ausgeheilt ist.


Dieses Privileg haben nicht Viele. Und seit den Erzählungen einer Mutter, die ich in der Kita meines Großen kennengelernt habe, tätig in einer Wirtschaftskanzlei, alleinerziehend, die Eltern dreihundert Kilometer weit entfernt, der Kindsvater neu verheiratet und quasi vom Erdboden verschluckt, weiß ich, welch Wunderwerk manche Eltern in unvorhergesehenen Situationen meistern müssen. Natürlich gibt es Rechtsansprüche, aber die greifen nicht in allen Situationen und wenn überhaupt nur bis zum zwölften Lebensjahr. Also steht man vor neuen Problemen und dann auch noch allein.

 

Bis ich diese Mutter kennenlernte, war ich – zugegeben - ziemlich schnell in meinem Urteil: Kranke Kinder gehören nach Hause und müssen wirklich auskurieren. Da sollte der Job niemals drüber stehen. Das denke ich immer noch, aber ich habe begriffen, dass es manchmal einfach nicht anders geht. Das ist traurig und sollte nicht so sein, aber es ist Fakt.


Als ich nur ein Kind hatte und noch im Verlag tätig war, konnte ich den Hass meiner Kollegen förmlich spüren. Dieses genervte „gute Besserung für dein Kind“, wenn ich mal wieder Montags anrief und sagte, dass ich nicht kommen könne. Und auch wenn ich teilweise von zu Hause aus das Nötigste erledigen konnte, mussten meine Kollegen Überstunden machen. Für mich. Ich verstand ihren Groll, aber was hätte ich tun sollen? Mein Chef hatte weder Verständnis für mich oder die Kollegen. Für ihn musste der Job gemacht werden, wie war ihm völlig egal. Auch klar, wenn es um Drucktermine etc. geht. Schlussendlich musste ich begreifen, dass dieser Job für mich nicht umsetzbar war. Und es war eine gute Entscheidung, die ich aber auch nur aus einer gewissen familiären Sicherheit heraus treffen konnte.

 

Ich denke viel darüber nach, wie man zu Lösungen kommen könnte, die für beide Seiten sinnvoll und umsetzbar sind. Wer schon mal ein richtig krankes Kind zu Hause betreut hat, weiß, dass Homeoffice leider oft nicht möglich ist.

 

Vielleicht habe ihr ja Lösungsideen, Vorschläge, Konzepte oder klare Forderungen an die Gesetzgebung?

 

Wer sich vorab über Rechtsansprüche für Angestellte informieren möchte, findet hier eine ganz gute Auflistung.

 

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