Wenn Mutti flucht

Tag ein, Tag aus predigen wir unseren Kindern, dass wir weder „Pimmel“, „Pupsgesicht“ oder „Kackawurst“ genannt werden möchten und dass wir jegliche Form von Schimpfwörtern in unserem Haus nicht hören wollen; und dann ist da dieser eine Moment... .

 

Die Morgen sind derzeit eine echte Zerreissprobe für meine Nerven. Ich muss alles zigmal wiederholen. Wirklich alles. Das Kind steht auf, setzt sich als erstes auf den Badezimmerteppich und starrt Löcher in die Luft. Oder singt lauthals einen eigens kreierten Song übers „geile Skaten“.

 

Anziehen? Fehlanzeige! Fertig machen für die Schule? Erst nach der fünften Aufforderung. Ich habe auch schon versucht, gar nichts zu sagen. Wie das endete, ist eine andere Geschichte.

 

Am Frühstückstisch sitzt dann plötzlich ein Energiebündel, dessen Hintern total nervös auf dem Stuhl hin- und herrutscht. Das Müsli wird nicht genossen, sondern verschlungen, zwischendurch entweicht dem vollgestopften Mund sowas wie ein „Freudenschrei“, etwa „Pimmelalarm“, oder „Ich bin so geil“.

 

So laut, dass alle übrigen am Tisch wirklich entsetzt zusammen zucken.

 

Nach dem Frühstück geht es immer direkt zum Zähneputzen. Und da ist von der Energie und dem Elan am Esstisch plötzlich nichts mehr zu spüren. Das Kind sitzt wieder völlig versunken am Boden und sieht aus, als wüsste es nicht, wie die Zahnpasta auf die Bürste kommen soll.

 

Zwischen diesen Szenarien stehe ich und spreche gebetsmühlenartig meine Bitten aus: „Bitte pack deine Brotzeit ein.“ „Putz Deine Zähne.“ „Zieh bitte deine Schuhe an.“ „Du hast deine Jacke vergessen.“ „Bitte schrei nicht so laut.“

 

All das sage ich nicht einmal, zweimal oder dreimal. Nein, ich wiederhole mich gefühlte hundert Mal.

 

So oft, dass schon die kleine Schwester im Kanon mitspricht. Und heute Morgen war es dann soweit. Ich weiß nicht, wie oft ich darum gebeten habe, diese Urschreie leiser rauszulassen und vor allem nicht direkt in mein Ohr zu brüllen.

 

Und zack, es war aus und vorbei: „HIMMELARSCHUNDZWIRN!“ schallte es aus meinem Mund. Laut, unkontrolliert und nicht mehr zu stoppen. Dann war Ruhe.

 

 

Und Zeit für ein Belehrung: „Arsch darf man nicht sagen, Mama.“  

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