Hallo Wutmonsterchen

Jetzt ist sie da. Die Trotzphase. Vergangene Woche noch hatte ich auf Facebook einen witzigen Post zum Thema veröffentlicht: „Liebe Nachbarn! Unser Kind ist mitten in der Trotzphase! Bitte ruft nicht das Jugendamt. Bringt einfach Bier vorbei. Oder Schnaps. Danke.“ Jetzt wäre ich bereit für beides; und Ohrstöpsel noch dazu. 
„Nein, eine Strumpfhose. Keine Hose. Eine Hose ist blöd.“ So etwa startete mein Morgen. Mal wieder. Kein lächeln, kein fröhliches ins Bett springen wie sonst. Einfach nur ohrenbetäubendes Gebrüll, gefolgt von herzzerreissendem Weinen, weil das Anziehen alleine doch nicht ganz klappt und Hilfe von Mama einfach gerade scheisse ist.
 
Die Welt meiner Zweijährigen ist irgendwie von heute auf morgen ins Wanken geraten. Alles will sie alleine schaffen. Manches klappt, vieles eben noch nicht. Jeden Morgen versucht sie mit unglaublich viel Ausdauer und Geduld den Reißverschluss ihrer Jacke selbst zu schliessen. Aber es will nicht funktionieren. 
 
Da darf man schon mal schreien. Und ich darf, wenn ich Glück habe, trösten. Auf jeden Fall aber muss ich es aushalten. Auch beim Schlafengehen wird protestiert. Das Ritual ist immer dasselbe, aber jetzt möchte unsere Jüngste eben selbst entscheiden, wann die Zeit für ein Schläfchen gekommen ist. Und dann kommt plötzlich Mama um die Ecke und sagt: „Jetzt ist es Zeit ins Bett zu gehen.“ Protest, Wutschreie, Kissen fliegen durchs Zimmer, das Bett wird verwüstet. „Schlafen ist blöd!“ Auch wenn die Augen bereits zufallen. 
Das Mäuschen durchlebt wahrlich eine schwere Phase. Und wir alle dürfen gezwungenermaßen an ihrer ersten Unabhängigkeitserklärung an uns Eltern teilhaben. Das ist nicht immer schön. Auch für den Bruder nicht. Manchmal hegt man einen regelrechten Groll gegen dieses kleine Wutmonsterchen. Wohl wissend, dass derzeit nur eines Hilft: ein hohes Maß an Selbstbeherrschung, Stabilität, Liebe und Geduld. Und ein Bruder, der im größten Chaos meine Hand hält und sagt: „Sei nicht traurig Mama. Das ist nur eine Phase. Die schaffen wir schon.“ 

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Kommentare: 1
  • #1

    Daniel (Dienstag, 17 Oktober 2017 15:19)

    Ganz liebe Grüße und viel Kraft an das Wutmonster und die Eltern.
    Das Gleiche machen wir auch gerade durch - aber es wird!
    Kopf hoch, Augen auf und durch :-)

    Ganz liebe Grüße,
    Daniel