Tage wie diese!

 

Vor einiger Zeit hatte ich diese Anekdote aus unserem manchmal turbulenten Leben verfasst. Und schlichtweg vergessen. Als ich dann heute beim Einkaufen eine Mama traf, die einen regelrechten „Kampf“ mit ihren zwei Kindern hatte, erinnerte ich mich wieder an meinen damals so düsteren Montag. Und als sie sich dann auch noch entschuldigte und mir erklärte, dass sie einfach nicht versteht, warum nur ihre Kinder immer so austicken müssen, war mir klar, dass ich mein Erlebtes online stellen muss. Die Botschaft: Alle Kinder haben gute und schlechte Tage. Da müssen wir als Eltern durch. Die Kinder aber auch.

 

„Es gibt Tage, an denen wünscht man sich, lieber im Bett geblieben zu sein. Gestern war so ein Tag.

 

Es war 5.50 Uhr (noch nicht mal ganz hell), als das erste Kind schrill, laut und irgendwie rotzig „Mamaaaaaa komm. Sofort!“ brüllte, und ich wusste mit dem Betreten des Zimmers: dieser Tag wird anstrengend und wahrscheinlich ziemlich laut.

 

Mein Großer war krank.

 

Nase dicht, Hals entzündet, Ohren am Pochen. Es war Montag, ein Arbeitstag. Aber gut, ich streichelte über seinen Kopf und sagte: „Das wird schon wieder. Wir pflegen Dich gesund.“ Dann kam die Kleine aus dem Zimmer gewackelt. Übellaunig, nicht ausgeschlafen, weinerlich.

 

Nach einem lauwarmen bis kalten Kaffee, ab zum Ohrencheck beim Kinderarzt. Der stellte fest: alles halb so wild, und ich freute mich. Die Mäuse im Schlepptau, beschloss ich erstmal Eis essen zu gehen. Ich dachte, das wäre nett. Beide bestellten ihre Lieblingssorten im Becher, setzten sich, ich freute mich, aber leider zu früh.

 

„Das will ich aber nicht.“, schrie mir die Kleine ins Ohr, und ehe ich antworten konnte, kippte sie das Eis einfach auf den Boden und ihre Schuhe, um im nächsten Moment laut und schrill zu schreien: „Mein Eis ist runterfallt. Mama mein Eis. Ich will neues Blaueis.“

 

Während ich versuchte, das Drama irgendwie in Zaum zu halten und die Schuhe vom klebrigen Blau zu entfernen, verwandelte sich mein eigenes Eis in Suppe. Der Große nölte herum, dass er sich jetzt und sofort Lego kaufen möchte. Weil er ja sowieso überhaupt kein Spielzeug hat und der einzige aus der Klasse ist, der bla bla bla. Ich hatte echt keinen Bock mehr. Der Tag war erst vier Stunden jung, und mir reichte es!

 

Zuhause angekommen brachten sich die Kinder gegenseitig weiter auf die Palme.

 

Du Kackwurst!

 

Ich bin keine Kackwurst!

 

Dann bist du eben eine Stinkkuh.

 

Nein, das bin ich auch nicht. Ich bin eine Schwester.

 

Du Kackstinkwurstschwester.

 

Weinen, schreien, petzen, schubsen. Sie übertönten sogar den Staubsauger. Sie verfolgten mich schrill streitend bis auf die Toilette. Ruhig zu bleiben, wurde immer schwieriger.

 

Aus Erfahrung weiß ich, dass Ortswechsel oft die Situation auflockern können. Ha, an diesem Tag hätte ich in den geilsten Freizeitpark fahren können, der Streit wäre weiter gegangen. Also entschied ich mich egoistisch für den Gang zur Pferdekoppel. Das entspannte wenigstens mich. Aber die Mäuse zeterten durchs ganze Dorf. Der Große meckerte, weil er „keinen Bock“ hatte so langsam zu laufen. Die Kleine, weil ich nicht bereit war, eine Runde Gummibärchen auszugeben. Hölle! 

 

Inzwischen war es Nachmittag. Und das Genöle ging fröhlich weiter. Bei den Pferden, auf dem Spielplatz, zu Hause. Dort allerdings ist mir dann der Kragen geplatzt, und ich brüllte. So richtig.

 

Ich sagte Dinge wie „mir reicht es mit eurer scheiss Streiterei“, oder „den ganzen Tag dieses Gezanke, das kann doch kein Mensch aushalten“, „was würdet ihr denn machen, wenn ich den ganzen Tag...“ und so weiter und so weiter.

 

Mein Vortrag war lang und extrem laut, und ich möchte gar nicht wissen, wie mein Gesicht dabei aussah. Aber – und jetzt aufgepasst – er wirkte.

 

Als ich mit meiner Brüllerei fertig war, sagte die Kleine zum Großen: „Die Mama schreit. Komm, wir spielen.“ Und der Große sagte: „Ach die Mama. Wollen wir in meinem Zimmer CD hören?" Dann waren sie weg. Oben in ihren Zimmern. Es war vier Uhr durch, und es war Ruhe nach fast zehn Stunden mieser Laune. Das erste Mal an diesem Tag. Und was hatte ich? Ein schlechtes Gewissen!“

 

 

 

 

 

 

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