Mama und Profisportlerin: Ein Interview mit Boardercrosserin Zoe Gillings

 

Während wir den Spätsommer geniessen, herrschen in Argentinien bereits eisige Temperaturen. Der Winter hat begonnen. Und mit ihm startet am kommenden Wochenende der Snowboard Weltcup der Boardercrosser. 

 

Um so mehr freue ich mich, dass Zoe Gillings, Snowboardcross-Fahrerin aus England, die Zeit gefunden hat, alles.von.mutti. ein paar Fragen zu beantworten. Die 32-Jährige ist nämlich nicht nur ein echtes Ass auf dem Board, sondern auch eine leidenschaftliche Mama.

 

Wie sie es meistert, eine erfolgreiche Profisportlerin und liebende Mama zu sein, erfahrt ihr jetzt.

 

 

 

 

Früh übt sich: Zoe mit Tochter Léa. 

Foto: privat

 

Zoe, du bist letztes Jahr im August Mutter eines kleinen Mädchens geworden. Wann hast Du wieder mit dem Training begonnen, und wann warst du das erste Mal wieder auf dem Snowboard gestanden?

Also mit dem Fitnesstraining habe ich schon etwa vier Wochen nach der Geburt angefangen. Weitere fünf Wochen später hatte mich dann das Brett zurück.

 

Was hat sich seit der Geburt deiner Tochter verändert – für dich als Mama und als Profisportlerin.

Ich würde sagen, dass ich insgesamt viel beschäftigter bin als zuvor. Irgendwie reicht die Zeit nie aus, um all das umzusetzen, was ich mir vorgenommen haben. Also muss ich Prioritäten setzen.

 

Ich muss mir Trainingspläne erstellen, um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich das trainiere, was sein muss. Vor allem, wenn es um das Fitnesstraining im Sommer geht. Léa ist dabei meine absolute Priorität, und alles was nicht wichtig ist, fällt eben hinten runter.

 

Wie haben die anderen Weltcup-Athleten auf die Geburt Deiner Tochter reagiert?

Die meisten fanden es prima, dass ich die Kombination aus Mama und Profisportlerin meistere. Alle gehen ganz großartig mit Léa um.

Bei Wettkämpfen ist die Kleine normalerweise immer dabei und wartet im Bergrestaurant, während ich fahre oder trainiere. Dort bekommt sie dann jede Menge Besuch von den anderen Athleten und Athletinnen. Sie spielen, kuscheln oder quatschen ganz einfach mit ihr.

Ich habe die anderen auch extra darum gebeten, in ihrer Muttersprache zu reden. So kommt Léa jetzt schon mit irre vielen Sprachen in Kontakt.

 

Wie integrierst du Léa in dein intensives Trainingsprogramm?

Um ehrlich zu sein, bekomme ich enorm viel Unterstützung. Léa's Papa ist einfach brillant. Wenn ich trainiere, ist er die meiste Zeit bei ihr. Wenn das nicht klappt, haben wir noch die Großeltern, Tanten und Onkel. Sie alle sind ganz wild darauf, Zeit mit Léa zu verbringen.

 

Wie müssen wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen – inklusive Training?

Da muss ich ganz klar zwischen Sommer und Winter unterscheiden.

 

Im Sommer stehe ich um sieben Uhr mit Léa auf. Wir frühstücken und spielen. Gegen zehn schläft die Kleine für etwa eine Stunde. Diese Zeit nutze ich dann und gehe zum Fitness, während ihr Vater nach ihr schaut.

 

Meistens komme ich gegen eins wieder zurück. Dann essen wir, machen Mittagsschlaf oder ein bisschen Haushalt. Nachmittags besuchen wir ihre Cousins oder gehen in den Park. Worauf wir eben Lust haben. Wenn Léa dann im Bett ist, mache ich noch einige Dehnübungen oder arbeite am Computer. Eigentlich ein ganz normaler Ablauf.

 

Im Winter habe ich wesentlich weniger Zeit mit meiner Tochter.

Der Morgen ist der Gleiche. Aber bereits um acht Uhr beginnt das Training im Schnee mit kurzer Mittagspause. Das ganze geht bis etwa drei Uhr Nachtmittags. Dann habe ich ein bisschen Zeit mit Léa. Zumindest bis zum späten Nachmittag. Da gehe ich nochmal zum Fitness für etwa eine Stunde. Im Anschluss bringe ich Léa ins Bett und mache selbst noch ein bisschen Dehnübungen, bevor ich dann auch schlafen gehe.

  

Inwiefern hat sich das Reisen verändert seit du Mama bist?

Ich muss so viel mehr zu Packen!!!! Ich kann mich gut an das Packen im vergangenen Oktober erinnern. Wir waren bis März, also ein gutes halbes Jahr, unterwegs. Das bedeutete dass Léa aus all ihren Sachen rauswachsen würde. Also musste ich alles doppelt einpacken und in unterschiedlichen Größen.

 

Was machst du wenn Léa krank ist? Wer kümmert sich dann um sie? Leidet dein Training darunter?

Mein Schlaf leidet! Um ehrlich zu sein, hatte Léa ausser einem Schnupfen noch keine schlimmen Krankheiten. Noch nicht. Ich hoffe, es bleibt so.

 

Angenommen man bekommt keine Unterstützung von anderen, hast du einen Tip, wie man sich als Mama auch zu Hause fit halten kann?

Wenn man wirklich ganz auf sich gestellt ist, sollte man einfach das machen, was geht. Ich fand es zum Beispiel schön, mit Léa im Kinderwagen spazieren zu gehen. Das war so meine erste Art von Fitnessübung, kurz nachdem sie geboren wurde.

Mittlerweile mache ich auch oft Übungen mit Léa zusammen: ich liege dann auf dem Rücken und stemme sie mit den Armen hoch und runter. Das ist ein super Workout für die Arme und Léa lacht dabei die ganze Zeit.

 

 

 

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