Heute mal anders

Wenn ich abends im Bett meiner Kleinen liege und es mit dem Einschlafen mal wieder nicht so klappt, denke ich an früher. An das Früher ohne Kinder. Ich spüre laue Sommernächte, blicke auf die unzähligen Tage und Abende zurück, an denen man einfach so vor sich hinlebte, wohl wissend, dass man für nichts außer sich selbst verantwortlich ist.

 

Ich erinnere mich an wunderbare Nächte mit Freunden. Unterwegs mit unseren Fahrrädern eroberten wir das Grossstadtnachtleben. Immer auf der Suche nach dem angesagtesten Club der Stadt. Es gab keine Sperrstunde, keine Nachtruhe. Wir bestimmten, wann die Nacht zu Ende war. Wir ganz allein. Und das war wunderbar! Lebendig, pulsierend, erfrischend, traumhaft. Es sollte nie anders werden.

 

Warum nur fällt es so schwer, sich diese Leichtigkeit zu bewahren, wenn man Kinder bekommt? Sind sie es, die uns dazu "zwingen" alles zu reglementieren: Essenszeiten, Zubettgehzeiten, den Umgang mit was sich gehört und was nicht? Oder nehmen wir die Meinung anderer an, die wiederum meinen, uns sagen zu müssen, was für uns und unseren Nachwuchs am Besten ist. Mit anderen Worten: Erziehen wir oder werden wir erzogen?

 

Viel ist sicher dem Umfeld geschuldet. Aber ich muss auch zugeben, dass man schneller einschläft oder im Alltagstrott verharrt, als man denkt. Struktur und Routine im Alltag erleichtern zwar einiges, aber beides verhindert auch das Eintreten großartiger Ereignisse. Sonnenuntergänge, Sonnenaufgänge, gute Gespräche mit Freunden über die „Sperrstunde“ hinaus, spontane Besuche, große Tafeln mit der Nachbarschaft... .

 

Bitte setz dich ordentlich hin beim essen“, „Nimm bitte deine Gabel und nicht die Finger“, „Heute kann kein Freund zum Essen bleiben, du hast morgen schliesslich Schule“ und so weiter und so weiter.

 

Wir alle kennen diese gebetsmühlenartigen Floskeln. Sätze, die uns ausgesprochen, schon an unseren Eltern störten. Deshalb möchten wir euch mit einer kleinen To Do-Liste wachrütteln und die festen Strukturen auflockern. Warum? Damit euch das Denken an das hier und jetzt noch zum Schwelgen bringt. Damit alle Eltern sagen können: "Wenn ich im Bett meiner Kleinen liege, denke ich an heute Abend. An einen Abend voller Leben. Mit Kinderlachen, guten Gesprächen und einem phänomenalen Sonnenuntergang."

 

Nachmachen unbedingt erwünscht!

 

Erstens

Muss man beim Essen immer am Tisch sitzen?

Nein, der Boden tut's auch! Wir empfehlen auch mal das Sofa! Und Picknick am Spielplatz. Das ist wirklich schön!

 

Zweitens

Essen mit Messer und Gabel?

Nein, heute mit den Fingern! Wer das öfter macht, freut sich darüber, kein fremdartiges Metall im Mund zu haben. Und ja: das Essen schmeckt definitiv besser!

 

Drittens

Braucht es zum Plätzchen backen zwingend einen Winter?

Auf gar keinen Fall. Plätzchen schmecken Jahreszeiten-unabhängig einfach immer mega!

 

Viertens

Nein heute gibt es kein Schleckeis. Es regnet.“ Ja und? Hat die Eisdiele nur bei Sonnenschein geöffnet?

 

Fünftens

Der Nachbarsjunge und Freund eures Kindes möchte gerne zum Abendessen bleiben? Das ist doch super! Schule hin oder her: Essen müsst ihr sowieso.

  

Sechstens

Faschingsschminke nur an Fasching? Blödsinn! Freut euch, wenn eure Kids kreativ sind.

 

Siebtens

Da sitzt die am Spielplatz und trinkt ein Radler. Das geht gar nicht.“ Das geht wunderbar, liebe Frau sowieso. Es ist später Nachmittag, die Sonne scheint, die Kinder sind selig und bauen fröhlich vor sich hin. Alle sind herrlich entspannt und ich eben auch.

 

Achtens

Was gibt es schöneres als eine Wasserschlacht an heißen Sommertagen. Eben. Nichts. Deshalb mache ich die auch noch mit. Und fühle mich absolut nullkommanull zu alt dafür.

 

Neuntens

Der Schulfotograf kommt in die Schule und euer Kind weigert sich ein schickes Hemd oder Kleid anzuziehen. Keine Panik. Eure Kinder sind auch „verlottert“ kleine Herzensbrecher, und das Einzige, das uns interessieren sollte sind das Strahlen und die leuchtenden Augen, wenn sie „Ameisenscheisse“ in die Kamera brüllen.

 

Zehntens

Lebt!

 

 

 

 

 

 

 

 

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