Haben wir es heute schwerer als unsere Mütter damals?

Spontan würde ich antworten: Nein. Wir haben es heute viel leichter als unsere Mütter. Der Staat unterstützt uns mit Elterngeld, rein theoretisch haben wir ein Recht auf Teilzeitstellen (auch wenn das in manchen Chef-Köpfen noch nicht verankert ist); es gibt immer mehr Väter, die ebenfalls Elternzeit nehmen. Die Kleinsten können in Kinderkrippen betreut werden, und wenn unsere Schützlinge mal krank sind, können wir dank Internet jederzeit Informationen und Hilfe abrufen. Die Möglichkeiten der Frühförderung sind immens: Pekip, Fenkid, Babyschwimmen, Turnen, Stilltreffs, Massagekurse etc.

 

Aber macht das alles unseren Alltag wirklich einfacher?

 

Als meine Schwester und ich klein waren, ging man ab drei Jahren in den Kindergarten. Es gab kaum private Einrichtungen, wenn überhaupt. Man wählte den Kindergarten, der in der Nähe war. Um spätestens zwei Uhr war man wieder zu Hause. Und außer Turnen oder Ballett und Musikunterricht gab es kaum Kurse oder Lehrangebot für Mutter und Kind. Meine Mutter musste sich nicht aus einem Potpourri an Förderangeboten entscheiden. Wir waren einfach bei ihr und lernten Alltägliches. Und dabei hatte sie kein schlechtes Gewissen, dass sie ihrem Kind zu wenig bieten würde. Es gab ja nichts, und das wiederum hatte den Vorteil, dass man keine schiefen Blicke kassierte.

 

Dasselbe betrifft die Wahl der Grundschule. Wir gingen in die Grundschule, in die wir eingeteilt wurden. Unser Eltern machten sich keine Gedanken darüber, ob das eine gute Schule mit hohem oder geringem Migrationshintergrund ist. Das Unterrichten von Fremdsprachen an einer Grundschule war überhaupt kein Thema. Einen Hort gab es. Daran erinnere ich mich. Aber ob die Hortkinder Biolebensmittel genossen oder nicht, interessierte keinen.

 

Wenn ich die Omas von heute frage, ob sie ihr Leben als Mama leichter fanden als unseres, antworten sie durchweg mit 'ja'. Denn weniger Wahlmöglichkeiten zu haben, ist manchmal ein klarer Vorteil. Man denkt weniger und macht einfach. Die Struktur war vorgegeben. Der Vergleich mit anderen Mamas sinnlos. Es saßen ja alle im selben Boot.

Was ich besser finde? Ich weiß es nicht. Manchmal finde ich die klare Struktur von damals erstrebenswert. Manchmal ist sie mir aber auch zu „eng“. Ein bisschen davon, ein wenig hiervon. Vor allem aber weniger Vergleich unter den Müttern. Wär doch schön, wenn jeder für sich sein Modell von Familie leben darf, ohne einer Kritik von außen ausgesetzt zu sein.

 

 

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