kleiner kaktus oder: neues vom pflanzenflüsterer

„mama, alle haben ein geschwisterchen, nur ich nicht.“

wo er recht hat, hat er recht. also nehme ich den traurig dreinblickenden möchtegernbruder in den arm und setze gerade an zum trost, da sprudelt es weiter aus ihm heraus: „ich möchte aber auch etwas pflegen mama.“

auweh, denke ich mir im stillen. jetzt kommt sicherlich der wunsch nach einem haustier, dem ich ganz gewiss nicht zustimmen werde. also sortiere ich schon einmal in meinem kopf all die argumente, die absolut und unausweichlich gegen ein fellknäuel jeglicher art sprechen. „mama, ich möchte einen kaktus. den will ich pflegen und in mein zimmer stellen.“

 

einen kaktus?? wie kommt ein vierjähriger auf so eine idee? von mir kann er die nicht haben. ich persönlich finde kakteen ganz abscheulich. aber gut.

„ich hab mit papa gestern einen gesehen, und papa hat gesagt, dass ich keinen bekomme.“

einleuchtend, ich frage dennoch: „warum hat papa denn nein gesagt?“

„weil gerade ostern war und ich nicht immer geschenke bekomme, wenn ich welche will.“ „da kann ich Papa aber gut verstehen.“ „aber ich hab‘ doch geld vom osterhasen bekommen. kann ich davon einen kaktus kaufen?“

na das klingt doch sehr vernünftig. also auf zum kaktusladen um die ecke. dort erwartet uns ein beachtlicher karton voller kleiner, stacheliger kakteen. ich fackle nicht lange herum, nehme einen heraus und gehe zur kasse, da brüllt moritz: „stopp mama! das ist nicht der richtige.“ „moritz, die sehen doch alle gleich aus.“ „nein mama. aber nur dieser hier kann sprechen.“ ich halte mein ohr an das stachelige etwas: „ja, ich hör es ganz deutlich. er sagt, er möchte gerne bei moritz leben.“ „und er braucht wasser, hat er gesagt. und dass er immer mit zum spielplatz will.“

 

auf dem heimweg hat der kleine kaktus uns dann noch zahlreiche seiner abenteuer erzählt. er käme aus einem dunklen tal, in dem auch ritter leben. natürlich hätte er nur deshalb stacheln, damit er sich verteidigen kann – „vor den bösen angreifern“. er habe wohl auch in moritz' ohr geflüstert, dass er sich im fahrradkorb sehr wohl fühle. allerdings hat er ein bisschen angst davor, alleine zu hause zu sein. unser kaktus. also nehmen wir ihn mit: auf den spielplatz, zum essen, zum arzt und ins auto. scheint, wir haben ein neues familienmitglied. willkommen kaktus!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Katharina (Dienstag, 03 November 2015 14:28)

    Toll, was Moritz für eine Phantasie hat! Steffi hat mir schon berichtet, dass er jetzt auch noch mehr als nur einen Kaktus als Gefährten hat :)
    Hoffe, Euch geht es allen gut!