intuition ist alles

irgendwie ist das so eine sache mit dem elternwerden, -sein und -bleiben. man geht schwanger mit der idee, nachwuchs zu zeugen. man wird schwanger, dann ist man es recht lange und "plötzlich" hat man ein kind und nennt sich familie. dabei haben alle pärchen 40 wochen zeit, sich auf das neue familienmitglied einzustellen. 40! wochen, in denen informationsfluten über einen hereinzubrechen scheinen. neben der unverzichtbaren erstausstattung, lassen sich besonders ersteltern zu sinnlosigkeiten wie einen staubsaugerbetriebenen nasenschleimabsauger hinreißen. hand aufs herz: gibt es auch nur einen erwachsenen, der so ein monströses ding an seine nase halten würde?

 

junge eltern sind vorbereitet. besser denn je und sicher viel zu gut. sie studieren bändeweise literatur, die die altersspanne 0-3 jahre in allen verschiedenen entwicklungsstadien abdecken und analysieren. noch bevor das kind auf der welt ist, wissen baldige eltern, welcher schreiton "ich habe hunger" signalisiert und dass eine geballte faust auf unzufriedenheit des sprößlings schließen lässt. verrückt! auch die zimmer der neuankömmlinge könnten genauso gut einer fachzeitschrift für kinderinterior entsprungen sein: wickelkommode, babybett, schrank - alles aus dem selben holz geschnitzt. passende vorhänge, ordentlich aufgereihte stofftierchen, farblich abgestimmte teppiche und niedliche motivlampen runden das bild des perfekten zimmers ab. kaum vorzustellen, dass hier in ein paar monaten ein kind durchkrabbelt, dessen entwicklungsstufe (materialtest durch weitwurf) das schmuckstück binnen minuten in ein kinderzimmer mit flohmarktambiente verwandelt.

 

noch aber glänzt das reich des nachkömmlings. sehr zur freude der eltern. der geburtstag rückt immer näher, groß ist die vorfreude über das sicherlich perfekte kind. und schon hat amélie-sophie das licht der welt erblickt. hurra! oder doch eher: wumms!?! das schlägt ein. und auf einmal ist nichts mehr perfekt. die nächte sind ungewollt kurz, die tage vergehen mit wickeln, stillen, umziehen, waschen, schnuller sterilisieren, nase absaugen (dank nasenschleimsauger) und trösten wie im fluge. abends stellt man dann schon manchmal fest, dass der traum aller mädchenzimmer doch eher einem schlachtfeld gleicht: spucktücher, waschlappen, kirschkernkissen, schnuller, spieluhren, stillkissenwurst; alles wild zerstreut, an ordnung nicht zu denken. bye, bye, perfektes leben.

 

warum amélie-sophie nun aber seit einer halben stunde brüllt, wissen die belesenen eltern irgendwie nicht. obwohl sie alle möglichkeiten mit ihrem schlauen büchlein in der hand durchexerziert haben, steht ihnen die ratlosigkeit ins gesicht geschrieben. da hilft nur noch eine ausgiebige recherche im internet. sie hat doch gerade erst getrunken, gebeuert, gepupst, geschlafen und eine frische windel bekommen. für zähne ist es auch noch zu früh... verzweiflung macht sich breit.

dann stellt er die zaghafte frage: meinst du, amélie-sophie braucht vielleicht deine nähe und will auf den arm?

sie: glaubst du?

er: ich weiß nicht. hier steht: in der regel sind satte babys zufriedene babys."

sie: na wenn das so ist, kann das thema der nähe doch nicht passen, oder? oder vielleicht doch?

 

herzlichen glückwunsch, sie haben ein baby zur welt gebracht und keine waschmaschine mit gebrauchsanweisung.

 

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