typisch jungs

seit etwa einem jahr genieße ich einen ganz anderen blick auf die zahlreichen baustellen im schönen münchen. schon früher habe ich über diese stauproduzenten am mittleren ring geflucht. heute komme ich zwar auch nicht schneller durch den stockenden verkehr, aber gebildeter denn je. bagger ist eben nicht gleich bagger. und es gibt sie noch, die typischen männerjobs. zumindest laut moritz.

 

doch, ich kenne mich aus. zwischen all den autos, baustellenschutt und gerätschaften entdecke ich immer wieder ein mir bekanntes fahrgerät und erkläre fachfrauisch, wozu es genutzt wird:

„schau moritz, da drüben hebt ein bagger gräben für grundleitungen aus.“

„das ist kein bagger mama, das ist ein löffelbagger“, werde ich sogleich verbessert.

„und guck hier: ein lastwagen mit ladekran und kralle“, verkünde ich stolz und vernehme ein anerkennendes „hm, ja“ von der stimme auf der rückbank.

„mama, wozu braucht man den grader da vorne?“

grader? grader??? angestrengt versuche ich mich an die details im wieso,weshalb,warum?-Lehrbuch zu erinnern. und es gelingt: „der grader glättet die erdoberfläche und wird beim straßenbau benötigt.“

„und was macht dann der scraper?“

oha, jetzt hat er mich erwischt. schnell lenke ich mit einer gegenfrage ab: „willst du später auch einmal ein bauarbeiter sein, moritz?“

„ja, aber ein ganz großer, mama.“

„ach“, träume ich, „vielleicht werde ich auch nochmal eine bauarbeiterin. macht sicher spaß die ganzen fahrzeuge zu testen.“

„das geht nicht, mama. du weißt ja nicht mal was ein scraper ist. und du bist ein mädchen und hast nicht genügend muskeln. außerdem können mädchen keine baupläne lesen.“

patsch. jetzt weiß ich, dass sich unser nächstes buch sicher nicht mit baustellen beschäftigt, sondern um die tatsache dreht, dass sowohl jungs als auch mädchen die gleichen arbeiten verrichten können. denn auf unserer „baustelle“ hat definitiv eine bauLEITERIN das sagen. und das bin ich.

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