Wie ich einst auf einen Baum kam

wir üben gerade essen. genauer gesagt versuchen wir (die eltern), ihm (dem kind) tischmanieren beizubringen. natürlich kann man von einem dreijährigen in diesem punkte noch nicht allzu viel verlangen. das weiß ich spätestens seit heute abend. denn das ergebnis ist erschütternd: ich wurde auf den baum geworfen.

 

es (das essen) steht noch keine sekunde auf dem tisch, da vernehme ich den ersten schrei: „das will ich aber gar nicht. das schmeckt mir nicht. ich will nur marmelade.“ mit engelszunge antworte ich: „ja, marmelade ist lecker, aber immer marmelade ist langweilig und es gibt doch so viel leckeres hier auf dem tisch.“ ein genervtes „gar nicht“, entgegnet der knirps und stopft sich maulend, murrend, stehend, die erste minitomate in den mund.

 

auf meine bitte zu warten bis alle am tisch sitzen, der zweite schrei: „neeeeein. ich kann nicht mehr aushalten. sonst muss ich verhungern.“ ich gucke mir das kind an, wie es da so vor mir steht mit speckbeinen und wohlstandsbäuchlein und muss (leider) lachen.

 

kurze zeit später, sitzen endlich alle. die tomaten sind zwar leer, aber ich übergehe das. geduld, geduld, predige ich mir selbst und wünsche diesem armen fast verhungerten kind einen guten appetit. selbiges schmatz, grunzt, genießt sichtlich jenes essen, das ihm einst doch gar nicht schmeckte. ich freue mich über meinen sieg und schmunzle innerlich. doch schrei nummer drei reißt mich mit voller wucht aus meiner inneren siegesfeier heraus: „wer hat mir hier noch kein trinken gegeben? das kann doch wohl nicht sein.“ es dauert etwas bis ich reagiere. der kindesmund ist einfach zu voll. wie gelähmt verfolge ich die seitlich herausfliegenden kleingekauten brotkrümel und bin ehrlich baff, welch mengen in so einen kleinen mund passen. das kind droht zu verdursten, äußert das auch, nimmt einen riesigen schluck, knallt das glas auf den tisch und brüllt zum vierten und letzten mal: „heute machst du das nicht so gut, mama. jetzt werfe ich dich auf den baum und später sehen wir weiter.“ zeit ins bett zu gehen!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Die Schwester (Dienstag, 04 Juni 2013 23:46)

    Bin fast ein bisschen erleichtert, dass mein kleiner Mann noch nicht spricht ;-)